Wenn die Telematikinfrastruktur stockt, trifft das Versicherte aller Krankenkassen: E-Rezept, elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und elektronische Patientenakte (ePA) können gleichzeitig ausfallen. Anfang September 2026 zeigte das die Doppelstörung beim Karten- und Vertrauensdiensteanbieter D-Trust. Hier die Fragen, die in solchen Situationen am häufigsten helfen.
Was ist passiert – und wen betrifft das?
Am Donnerstagmorgen, dem 10. September 2026, meldeten Apotheken erneut Ausfälle beim E-Rezept. Ursache waren Beeinträchtigungen bei Institutionskarten (SMC-B) und Heilberufsausweisen (HBA) der D-Trust GmbH. Die gematik bestätigte die Störung und meldete später Entspannung: Etwa ab 9:25 Uhr lief der HBA wieder stabil, rund zehn Minuten später auch die SMC-B.
Es war das zweite Mal in derselben Woche. Bereits von Montag, 7. September, ca. 12:45 Uhr bis Dienstag, 8. September, gegen 7:40 Uhr war die TI flächig betroffen. Am Montag wurden laut Berichten nur 893.249 E-Rezepte eingelöst – rund ein Viertel weniger als an einem vergleichbaren Montag üblich. ABDA-Präsident Thomas Preis betonte: Der Ausfall habe Versicherte aller Krankenkassen getroffen und stehe nach bisherigen Erkenntnissen im Zusammenhang mit der Infrastruktur von D-Trust (Unternehmen der Bundesdruckerei-Gruppe).
Deshalb: Bei TI-Pannen nicht deine Kasse verantwortlich machen – und trotzdem vorab in Praxis und Apotheke nach dem Stand fragen.
Warum hängen E-Rezept, eAU und ePA an SMC-B und HBA?
Ohne Technikjargon: Die SMC-B ist die Institutionskarte (Praxiskarte) in Praxis und Apotheke. Der HBA ist der Heilberufsausweis, mit dem Ärztinnen und Ärzte unter anderem E-Rezepte qualifiziert signieren. Fällt der Anbieter D-Trust bei Authentisierung oder Signaturprüfung aus, stocken Anwendungen, die auf diese Karten angewiesen sind – darunter E-Rezept (Erstellen und Einlösen), eAU, ePA und je nach Setup weitere TI-Dienste wie Karteneinlesen oder Versichertenstammdaten.
Es geht also nicht um „eine App, die hakt“, sondern um zentrale Identitäts- und Signaturbausteine. Genau deshalb wirkt ein einzelner Anbieter-Ausfall so breit.
Deshalb: Erwarte bei bekannten D-Trust- oder TI-Störungen Verzögerungen bei Rezept, Krankschreibung und Akte gleichzeitig – und plane Puffer ein.
Kann ich mein E-Rezept trotzdem einlösen?
Manchmal ja, oft nur teilweise. In der Praxis behelfen sich manche Apotheken mit Umwegen: Auslesen über CardLink-Wege bzw. Apps wie iA.de oder Gesund.de, oder mobile E-Rezept-Terminals (u. a. Rx Point), um zumindest den Inhalt auf der Karte sichtbar zu machen.
Wichtig: Solche Workarounds dienen oft dem Auslesen und der Orientierung. Das Verbuchen und die vollständige Abwicklung können erst später möglich sein, wenn die TI wieder stabil läuft. Wartezeiten, Rückrufe oder ein zweiter Weg in die Apotheke sind deshalb keine Seltenheit. Papierrezepte oder Ersatzverfahren in der Praxis sind Notlösungen – sie schützen die Versorgung kurzfristig, belasten aber Zeit und Übersicht.
Deshalb: Ruf vorab in der Apotheke an, ob E-Rezept gerade läuft und ob ein Ersatzweg möglich ist – und nimm eGK sowie ggf. die E-Rezept-App mit.
Was tun, wenn die elektronische Krankschreibung stockt?
Wenn die eAU nicht zuverlässig ausgestellt oder übermittelt werden kann, kläre mit der Praxis ein Ersatzverfahren und informiere den Arbeitgeber frühzeitig über die Verzögerung. Die Doppelstörung Anfang September hat gezeigt: Auch Krankschreibungen können gleichzeitig mit dem E-Rezept ausfallen.
Du musst die Technik nicht reparieren. Entscheidend ist klare Kommunikation: Praxis fragen, was jetzt geht; Arbeitgeber wissen lassen, dass die elektronische Meldung später nachkommt oder durch ein Ersatzdokument ersetzt wird.
Deshalb: Bei Störung sofort Praxis und Arbeitgeber ansprechen – Warte nicht, bis die eAU „von allein“ durchläuft.
Hilft die E-Rezept-App oder die ePA-App bei einer Störung?
Manchmal, aber nicht zuverlässig. Die E-Rezept-App kann helfen, Inhalte sichtbar zu machen – bei zentralen Störungen der Signatur- und Authentisierungskette kann sie ebenfalls eingeschränkt sein. Speichern, Teilen oder Abrufen von Dokumenten in der ePA kann vorübergehend scheitern.
Plane keine kritischen ePA-Schritte allein auf denselben Tag, an dem bereits Rezept oder eAU haken. Die elektronische Gesundheitskarte bleibt in vielen Apotheken der Standardweg – nimm sie trotzdem mit, auch wenn digitale Wege stocken.
Deshalb: Apps als Ergänzung nutzen, nicht als einzige Hoffnung; bei flächigen TI-Pannen kritische ePA-Aktionen verschieben.
Was sollte ich bei Dauerverordnungen beachten?
Bei chronischer Medikation frühzeitig nachfragen, ob Folgeverordnungen rechtzeitig digital – oder notfalls analog – möglich sind, bevor der Vorrat ausgeht. Die September-Ausfälle haben gezeigt, wie schnell ein zentraler Baustein Praxis und Apotheke gleichzeitig bremst.
Plane bei bekannten Störungen mehr Zeit für Praxis- und Apothekenbesuche ein, besonders bei dringend benötigten Medikamenten. Vorab anrufen spart unnötige Wege: Läuft E-Rezept gerade? Gibt es Ersatzverfahren?
Deshalb: Halte bei Dauertherapie einen kleinen zeitlichen Puffer und kläre Folgeverordnungen früh – nicht erst am Tag, an dem die Packung leer ist.
Wo erfahre ich, ob die Störung noch läuft?
Kurze Checks bei gematik-Statusmeldungen und seriösen Fachmeldungen reichen oft, um zu entscheiden, ob du noch heute zur Apotheke gehst. Am 10. September bestätigte die gematik die Beeinträchtigungen und meldete später Entwarnung; die Situation werde weiter engmaschig beobachtet.
Die zweite Störung war kürzer als der Montagsausfall – aber sie zeigte, wie empfindlich die Kette Praxis–TI–Apotheke auf einen zentralen Baustein reagiert. Apothekerverbände fordern seither mehr Ausfallsicherheit digitaler Gesundheitsanwendungen.
Deshalb: Vor dem Weg kurz Status prüfen – und vor Ort höflich nach dem Stand fragen; Druck auf Teams hilft selten.
Was bedeutet das für die TI-Debatte – und was zählt für mich?
Die Doppelstörung binnen weniger Tage macht ein strukturelles Problem sichtbar: Fällt ein zentraler Vertrauens- oder Kartendienstanbieter aus, können mehrere Anwendungen gleichzeitig stocken. Im politischen Kontext von TI-Stabilität und Vereinfachung – etwa mit Blick auf Vorhaben wie das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) – geht es um weniger komplexe Einzelbausteine, klarere Betriebsregeln und mehr Resilienz.
Für dich als Versicherten ist der politische Rahmen zweitrangig. Spürbar ist der Alltag: Ohne stabile Signatur und Authentisierung stocken Rezept, Krankschreibung und Akte – kassenübergreifend. Dein Hebel: Puffer einplanen, vorab anrufen, Medikamentenvorrat und eAU-Ersatzverfahren klären, ePA-kritische Schritte verschieben, Status beobachten.
Deshalb: Bleib handlungsfähig mit Vorbereitung und klarer Kommunikation – die Technik liegt bei gematik, Anbietern und Leistungserbringern.
