TI-Ausfälle und Stabilität: Häufige Fragen verständlich beantwortet

Die Telematikinfrastruktur stürzt laut gematik-Geschäftsführer Florian Hartge zu oft ab – trotz Milliarden E-Rezepten und wachsender Nutzung. Auf der KH-IT-Jubiläumstagung in Berlin verband er die Selbstkritik mit dem Umbau zur TI 2.0. Hier die Fragen, die für dich als Versicherte:n am häufigsten zählen – mit klaren Antworten und einer Empfehlung am Ende jedes Blocks.

Was hat Florian Hartge zur TI gesagt – und warum ist das relevant?

Auf der Jubiläumstagung des Bundesverbands der Krankenhaus-IT-Leiterinnen und -Leiter (KH-IT) in Berlin sagte Dr. Florian Hartge, Geschäftsführer der gematik, offen: „Die TI stürzt unangenehm oft ab.“ heise online berichtete darüber am 20. September 2026. Die Digitalagentur benennt die Probleme klar und verbindet sie mit Umbauplänen zur TI 2.0 und einer künftigen Gesundheitsplattform.

Das ist relevant, weil ePA, E-Rezept und weitere Dienste auf derselben Infrastruktur laufen. Wenn die TI stockt, merkst du das in Praxis und Apotheke – kassenübergreifend und unabhängig davon, welche Krankenkasse du hast.

Deshalb: Nimm Hartges Satz ernst als Lagebeschreibung, nicht als Panikmeldung – und plane bei bekannten Störungen Puffer ein.

Geht es hier um denselben Ausfall wie bei D-Trust Anfang September?

Nein. Die Störungen bei Institutionskarten (SMC-B) von D-Trust Anfang September 2026 waren ein eigener, bereits viel beachteter Vorfall. Hier geht es um die strukturelle Stabilität der Telematikinfrastruktur insgesamt – und um den Fahrplan, der sie entschärfen soll.

Für dich fühlt sich beides oft ähnlich an: „Heute läuft digital nichts.“ Technisch und organisatorisch sind Einzelpannen eines Kartenanbieters und die Dauerbelastung durch viele Beeinträchtigungen aber zu trennen.

Deshalb: Ordne Meldungen ein – D-Trust-Kartenpanne und TI-Strukturproblem sind nicht dasselbe, auch wenn der Alltag ähnlich stockt.

Wie oft war die TI 2025 gestört – und was läuft trotzdem gut?

Laut einem internen Strategiepapier der gematik, das heise zitiert, war die Nutzung von TI-Anwendungen 2025 im Schnitt 25-mal pro Monat beeinträchtigt; 162 Störungen betrafen die ePA, 164 das E-Rezept. Gleichzeitig wächst der Erfolg: über 1,5 Milliarden eingelöste E-Rezepte, fast eine Milliarde Nachrichten über KIM, rund 83.000 Einrichtungen, die elektronische Rezepte ausstellen.

Bei der ePA seien knapp 160.000 Institutionen angebunden; ausgegeben wurden bislang 5,8 Millionen GesundheitsIDs – hier sei man laut Hartge „bei weitem noch nicht da, wo wir hinwollen“. Mit mehr Nutzung steige die Zahl kritischer Fehler nicht linear, sondern „annähernd exponentiell“.

Deshalb: Erwarte bei hoher Nutzung weiterhin Ausfälle – und nutze Statusmeldungen der gematik, bevor du einen kritischen Weg zur Apotheke planst.

Warum ist ein E-Rezept so anfällig – und was soll der Umbau ändern?

Ursache laut Hartge ist gewachsene Komplexität. Bei technischen Operationen seien es 17 Schritte, um ein E-Rezept einzustellen – beim Einlösen noch mehr. Fällt einer davon aus, gibt es kein Rezept. Ziel des Umbaus: die Kette auf drei bis vier Schritte verkürzen.

Die Architektur stammt noch aus den 2000er-Jahren: geschlossenes Netz, Konnektoren als VPN-Brücke, zertifizierte Kartenlesegeräte, kartenbasierte Identitäten. Für ein neues ePA-Release brauche man derzeit bis zu zwei Jahre – zu langsam für den gewünschten Zielhorizont.

Deshalb: Verstehe Ausfälle als Architekturproblem, nicht als „eine App, die hakt“ – und plane bei Störungen Ersatzwege mit Praxis und Apotheke.

Was ist TI 2.0 – und wann soll der Umbau fertig sein?

Ende vergangenen Jahres startete die gematik eine Taskforce. Der Umbau zur TI 2.0 soll Hardwarekomponenten überflüssig machen: softwarebasierte Dienste, digitale Identitäten, Zero-Trust-Sicherheit statt geschlossenem Netz. Erstmals geht das Muster produktiv: In die Pilotierung gegangen sind der Proof of Patient Presence (PoPP) sowie VSDM 2.0 (Versichertenstammdatenmanagement). Parallel läuft ZETA (Zero Trust Access) – laut Präsentation seit Sommer 2026 gemeinsam mit VSDM 2.0 im Rollout.

Die vollständige Umstellung aller TI-Dienste ist bis 2029 vorgesehen. Das interne Konzept „TI-Betriebsstabilität und Transformationsplan 2030“ sieht vor, Backend-Produktinstanzen von 114 auf 31 zu senken; die TI 1.0 mit Konnektoren, Kartenterminals und proprietärem VPN soll bis Ende 2030 vollständig abgebaut werden.

Deshalb: Rechne mit einem langen Parallelbetrieb bis 2029/2030 – nicht mit einer Sofort-Garantie gegen Ausfälle.

Können auch die neuen Dienste schon stören?

Ja. VSDM 2.0 war laut heise am 20. September 2026 um 15:32 Uhr gestört – ausgerechnet ein Dienst im neuen Muster. Pilotdienste können also selbst ausfallen, während die alte TI noch parallel läuft. Karten und Terminals verschwinden nicht über Nacht.

Parallel beschloss die Gesellschafterversammlung im Sommer: Die TI soll stärker zur Gesundheitsplattform werden. ePA, E-Rezept, Nachrichtendienste, Identitätsdienste und Zero-Trust-Komponenten sollen auf einer cloudbasierten Plattform zusammengeführt werden – mit Open-Source-Komponenten und klaren Schnittstellen. Für mobile Versorgung verspricht Hartge Vorteile ohne stationäre Hardware – etwa bei Hausbesuchen, in der Pflege oder im Notfalleinsatz.

Deshalb: Auch neue Bausteine können haken – behalte Status und Ersatzverfahren im Blick, bis der Umbau spürbar stabiler wird.

Was bedeuten TI-Ausfälle konkret für mich als Versicherte:n?

Du sitzt nicht an der Service-Map – spürbar wird die TI trotzdem. Praxis und Apotheke können Verordnungen nicht zuverlässig erstellen, abrufen oder verbuchen; Wartezeiten oder ein zweiter Weg sind möglich. Speichern, Teilen oder Abrufen von Dokumenten in der ePA kann vorübergehend scheitern. Plane keine kritischen Akte-Schritte allein auf denselben Tag, an dem bereits Rezept oder eAU haken.

Bei bekannten Störungen vorab nachfragen, Puffer einplanen und bei Dauerverordnungen den Vorrat im Blick behalten. Statusmeldungen der gematik und seriöse Fachberichte helfen bei der Entscheidung, ob du noch heute zur Apotheke gehst.

Deshalb: Bleib handlungsfähig mit Vorbereitung und klarer Kommunikation – die Technik liegt bei gematik, Anbietern und Leistungserbringern.

Was bringt der Umbau mir – und was bleibt dein Hebel?

Weniger Schritte, weniger Backend-Instanzen, Zero Trust statt VPN-Insel, digitale Identitäten und mobil nutzbare Dienste: Das ist das Versprechen. Perspektivisch sollen daraus weniger Ausfalltage und schnellere Verbesserungen an ePA und E-Rezept werden – sofern der Plan hält.

Klar bleiben die Grenzen: Bis 2029/2030 läuft der Umbau parallel zur alten TI. Dein Hebel bleibt pragmatisch: Störungen einordnen, Versorgung absichern, Transparenz erwarten – nicht die Architektur selbst reparieren.

Deshalb: Verstehe TI 2.0 als Stabilitätshoffnung mit Zeitplan – und sichere deinen Alltag mit Puffer, vorab-Anruf und Medikamentenvorrat.

Quellen

  • heise online: „TI stürzt unangenehm oft ab“ – Hoffnung auf Umbau der Gesundheitsdatenautobahn (20.09.2026)
  • gematik Newsroom