Kategorie: Prävention & Longevity

  • Grippe und RSV: Wem die Impfung jetzt empfohlen ist und wann der richtige Zeitpunkt ist

    Grippe und RSV: Wem die Impfung jetzt empfohlen ist und wann der richtige Zeitpunkt ist

    Ein Termin, zwei Impfungen: Für viele Ältere passt beides in einen Praxisbesuch.

    Grippe- und RSV-Impfung 2026: Wer ab 60, schwanger oder chronisch krank ist, sollte jetzt handeln. Wann der beste Zeitpunkt ist und wann die Kasse zahlt.

    Draußen wird es nass und kalt, in Büros und Bussen wird wieder gehustet. Jetzt ist die Zeit, in der sich eine Grippeimpfung am meisten lohnt. Für viele Ältere kommt noch eine zweite Impfung dazu: die gegen RSV, ein Atemwegsvirus, das vor allem für Säuglinge und ältere Menschen gefährlich werden kann. Wer was bekommen sollte, wann der richtige Moment ist und wann die Krankenkasse zahlt.

    In 30 Sekunden

    Die Ständige Impfkommission, kurz STIKO, empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem allen ab 60 Jahren, Schwangeren und Menschen mit chronischen Grunderkrankungen, und zwar jedes Jahr. Gegen RSV empfiehlt sie allen ab 75 Jahren eine einmalige Impfung, außerdem Menschen ab 60 mit einer schweren Grunderkrankung oder die in einer Pflegeeinrichtung leben. Für diese Gruppen zahlt die gesetzliche Krankenkasse; das regelt die Schutzimpfungs-Richtlinie des G-BA. Der beste Zeitraum für die Grippeimpfung ist laut Robert Koch-Institut Oktober bis Mitte Dezember.

    Grippe: Wer jedes Jahr dran ist

    Die STIKO empfiehlt die Influenza-Impfung (Stand 10. September 2026) allen ab 60 Jahren. Schwangere sollten sich ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel impfen lassen, bei einer Grunderkrankung schon ab dem ersten. Empfohlen ist die Impfung außerdem Menschen mit chronischen Erkrankungen, etwa der Atemwege wie Asthma oder COPD, des Herzens und Kreislaufs, der Leber oder Nieren, mit Diabetes, chronischen neurologischen Erkrankungen oder einer Immunschwäche.

    Auch wer in einem Alters- oder Pflegeheim lebt, gehört dazu. Und wer mit Risikopersonen zusammenlebt oder sie betreut, sollte sich ebenfalls impfen lassen, damit er sie nicht ansteckt. Dazu kommen Berufe mit vielen Kontakten, etwa im medizinischen Bereich.

    Für Menschen ab 60 sieht die Richtlinie einen besonderen Impfstoff vor, entweder hochdosiert oder mit einem Wirkverstärker. Darum kümmert sich die Praxis, du musst nichts mitbringen.

    RSV: Einmal impfen ab 75

    RSV steht für Respiratorische Synzytial-Viren. Für Ältere kann eine Infektion schwer verlaufen. Die STIKO empfiehlt allen ab 75 Jahren eine einmalige Impfung, möglichst vor der RSV-Saison. Zwischen 60 und 74 gilt die Empfehlung für Menschen mit einer schweren Form einer Grunderkrankung, etwa der Atemwege, des Herzens oder der Nieren, oder für Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Laut G-BA zählt dazu auch die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst.

    Leichte oder gut eingestellte chronische Erkrankungen erhöhen das Risiko nach heutigem Wissen nicht deutlich. Ob deine Erkrankung dazugehört, besprichst du am besten mit deiner Hausarztpraxis. Ob später eine Auffrischung nötig ist, lässt sich laut Richtlinie noch nicht sagen.

    Ein Termin für beide

    Wer zu beiden Gruppen gehört, muss nicht zweimal kommen. Laut RKI kann die Grippeimpfung gleichzeitig mit einem proteinbasierten RSV-Impfstoff gegeben werden. Für die mRNA-Variante der RSV-Impfung gibt es dazu noch keine Daten. Frag also einfach bei der Terminvereinbarung, ob beides an einem Tag geht.

    Schaubild: Grippeimpfung jedes Jahr, unter anderem für alle ab 60, Schwangere, Menschen mit chronischen Grunderkrankungen, im Alters- oder Pflegeheim und wer Risikopersonen betreut. RSV-Impfung einmalig für alle ab 75 sowie ab 60 mit schwerer Grunderkrankung, in einer Pflegeeinrichtung oder mit Pflegedienst. Grippe: Oktober bis Mitte Dezember, voller Schutz nach 10 bis 14 Tagen. Grippe und proteinbasierter RSV-Impfstoff an einem Termin möglich. Für die Empfehlungsgruppen zahlt die Kasse; das regelt die Schutzimpfungs-Richtlinie des G-BA.
    Wer laut STIKO dran ist und wann sich der Termin lohnt. Für diese Gruppen zahlt die Kasse; das regelt die Schutzimpfungs-Richtlinie des G-BA.

    Wann ist der beste Zeitpunkt?

    Bei der Grippe rät das RKI zu einer Impfung im Herbst, „ab Oktober bis Mitte Dezember“. Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist. Wer den Termin verpasst, für den kann es laut RKI auch später noch sinnvoll sein, die Impfung nachzuholen.

    Wer zahlt?

    Für die Gruppen, denen die Ständige Impfkommission die Impfung empfiehlt, zahlt die gesetzliche Krankenkasse: Das regelt die Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Bei RSV sind das alle ab 75 Jahren sowie Menschen ab 60 mit einer schweren Grunderkrankung oder die in einer Pflegeeinrichtung leben bzw. von einem Pflegedienst versorgt werden (einmalige Impfung). Bei Grippe sind es unter anderem alle ab 60 Jahren, Schwangere und Menschen mit chronischen Grunderkrankungen (jährlich).

    Wer nicht zu diesen Gruppen gehört, fragt vorher bei der Kasse nach. So rät es auch das RKI. Viele Kassen bieten darüber hinaus eigene Leistungen an. Einen Überblick, was Kassen bei Vorsorge zusätzlich übernehmen, gibt unsere .

    Und die Kleinsten?

    Neugeborene und Säuglinge bekommen keine Impfung, sondern eine Antikörper-Prophylaxe gegen RSV. Deren Kosten sind gesondert geregelt. Eltern sprechen das am besten bei der nächsten U-Untersuchung in der Kinderarztpraxis an.

    Alle Antworten kompakt findest du in unserer neuen .

    Was du tun kannst

    • Prüfe, ob du zu einer der Empfehlungsgruppen gehörst, und mach jetzt einen Termin in deiner Hausarztpraxis.
    • Bist du 75 oder älter, frag nach, ob Grippe- und RSV-Impfung am selben Termin möglich sind.
    • Nimm deinen Impfpass mit, damit die Impfungen eingetragen werden.
    • Gehörst du nicht zu den Gruppen, kläre die Kostenübernahme vorher mit deiner Kasse.
    • Plane die Grippeimpfung bis Mitte Dezember ein, damit der Schutz zur Hauptsaison steht.
  • Post von der BKK zur Nierengesundheit: Wie das Projekt „Mein Nierenkompass“ funktioniert

    Post von der BKK zur Nierengesundheit: Wie das Projekt „Mein Nierenkompass“ funktioniert

    Ein Brief, ein Urintest zu Hause, bei Bedarf ein Termin in der Hausarztpraxis. Mehr steckt nicht dahinter.

    „Mein Nierenkompass“: Drei BKKs laden Versicherte zum Nieren-Heimtest ein. Wie der Ablauf ist, was ein auffälliger Wert bedeutet und was freiwillig ist.

    Ein Brief von der Krankenkasse, in dem es um die Nieren geht: Wer so etwas bekommt, stutzt vielleicht erst einmal. Habe ich etwas? Woher weiß die Kasse das? Die kurze Antwort lautet: Nein, eine Diagnose steckt nicht dahinter. Es ist eine Einladung zu einem einfachen Test, den du zu Hause machen kannst. Drei Betriebskrankenkassen haben dafür ein gemeinsames Projekt gestartet. Wir erklären, wie es abläuft.

    In 30 Sekunden

    Die BAHN-BKK, die novitas bkk und die SBK laden im Projekt „Mein Nierenkompass“ Versicherte mit erhöhtem Risiko für eine chronische Nierenkrankheit zu einem Urintest zu Hause ein. Die Teilnahme ist freiwillig. Ist der Wert auffällig, folgt die Abklärung in der Hausarztpraxis. Bestätigt sich der Verdacht, begleitet die Kasse bis zu ein Jahr lang. Wer nicht möchte, dass die Kasse seine Daten dafür auswertet, kann widersprechen.

    Warum gerade die Nieren?

    Eine chronische Nierenkrankheit entwickelt sich oft über lange Zeit, ohne dass man etwas merkt. Schmerzen oder deutliche Beschwerden treten häufig erst auf, wenn die Nieren schon stark geschädigt sind. Gleichzeitig gibt es heute laut dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein „sehr wirksame Maßnahmen und Medikamente“, um das Fortschreiten bis zum Nierenversagen zu bremsen. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto mehr lässt sich also tun. Genau da setzt das Projekt an.

    So läuft der Nierenkompass ab

    Gestartet ist das Pilotprojekt Anfang September. Beteiligt sind neben den drei Kassen der BKK Dachverband, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, die Charité und der Nierenspezialist Prof. Thorsten Feldkamp.

    Am Anfang steht ein Brief. Darin lädt die Kasse zu einem Heimtest ein, der sich per QR-Code bestellen lässt. Gemessen wird ein Wert im Urin, der Hinweise auf eine Nierenschädigung geben kann. Der Test entspricht den ärztlichen Leitlinien.

    Fällt das Ergebnis auffällig aus, geht es in die Hausarztpraxis. Dort wird genauer untersucht, ob tatsächlich eine Nierenkrankheit vorliegt. Bestätigt sich das, bietet die Kasse bis zu ein Jahr lang eine intensive Begleitung an, etwa mit Unterstützung bei Ernährung und Bewegung und mit Hinweisen auf passende Versorgungsangebote. Ist der Test unauffällig, bekommst du nach einem Jahr das Angebot, ihn zu wiederholen.

    Schaubild Ablauf: Brief der Kasse als Einladung, Heimtest per QR-Code bestellen, Ergebnis. Auffällig: Abklärung in der Hausarztpraxis, bei Bestätigung Begleitung bis zu einem Jahr. Unauffällig: Wiederholung nach einem Jahr. Widerspruch gegen die Datenauswertung nach Paragraf 25b SGB V möglich.
    Vom Brief bis zur Begleitung: So läuft das Pilotprojekt ab. Die Teilnahme ist freiwillig.

    Wie die Kasse auswählt, wer einen Brief bekommt

    Angeschrieben werden nicht alle Versicherten, sondern Menschen, bei denen die Daten auf ein erhöhtes Risiko hindeuten. Dafür nutzen die Kassen ein Prognosemodell, das sie gemeinsam mit dem Dienstleister GWQ ServicePlus entwickelt haben. Grundlage sind Routinedaten, die bei der Kasse zusammenlaufen.

    Der Unterschied ist deutlich. Ohne das Modell hätte nach Angaben der Kassen nur etwa jeder 65. Angeschriebene ein positives Testergebnis. Mit dem Modell ist es ungefähr jeder Fünfte. Das heißt auch: Die meisten, die einen Brief bekommen, haben am Ende einen unauffälligen Wert. Ein Brief allein ist deshalb kein Grund zur Sorge. Begleitet wird das Projekt wissenschaftlich, die Ergebnisse sollen ausgewertet werden.

    Darf die Kasse das überhaupt?

    Ja. Seit einer Gesetzesänderung dürfen Krankenkassen ihre Daten nutzen, um Versicherte gezielt auf mögliche Gesundheitsrisiken und passende Angebote hinzuweisen. Geregelt ist das in § 25b SGB V. Wer das nicht möchte, kann der Auswertung widersprechen. Wie das geht und was dabei gilt, erklären wir in unserer FAQ zur .

    Für dich heißt das: Die Teilnahme am Test ist freiwillig, niemand muss mitmachen. Die Auswertung deiner Daten läuft dagegen, solange du nicht widersprichst. Wie der Widerspruch geht, erklärt die oben verlinkte FAQ. Wer einen Brief bekommt und unsicher ist, kann mit dem kurzen Test in Ruhe klären, ob alles in Ordnung ist.

    Für wen das interessant ist

    Angeschrieben werden vor allem Menschen, bei denen das Risiko höher liegt. Welche Merkmale das Modell genau berücksichtigt, haben die Kassen nicht im Einzelnen veröffentlicht. Wer unsicher ist, ob er zu einer Risikogruppe gehört, kann das bei der nächsten Gelegenheit mit der Hausärztin besprechen.

    Und manchmal öffnen nicht die Versicherten selbst die Post, sondern ihre Kinder. Wer für die Eltern den Briefkasten leert, kann ihnen helfen, den Test zu bestellen, und sie zum Termin in der Hausarztpraxis begleiten, falls der Wert auffällig ist.

    Was du tun kannst

    1. Den Brief in Ruhe lesen. Er ist eine Einladung, keine Diagnose.
    2. Den Test bestellen, wenn du teilnehmen möchtest. Das geht per QR-Code direkt aus dem Schreiben.
    3. Ein auffälliges Ergebnis abklären lassen. Der nächste Schritt ist immer die Hausarztpraxis, nicht das Internet.
    4. Selbst entscheiden. Wer keine Datenauswertung durch die Kasse möchte, kann widersprechen. Wer mitmacht, kann das Begleitangebot nutzen.

    Weitere Vorsorgeangebote der Kassen findest du in unseren .

  • Brustkrebs-Früherkennung ab 45: Was der neue Anspruch für Frauen bedeutet und ab wann er gilt

    Brustkrebs-Früherkennung ab 45: Was der neue Anspruch für Frauen bedeutet und ab wann er gilt

    Rund 2,5 Millionen Frauen bekommen einen neuen Anspruch. Jetzt tun müssen sie noch nichts.

    Mammographie-Screening ab 45: Rund 2,5 Mio. Frauen bekommen einen neuen Anspruch, voraussichtlich ab August 2027. Was du jetzt wissen solltest.

    Der Oktober ist Brustkrebsmonat, und in diesem Jahr gibt es dazu eine Nachricht, die viele Frauen direkt betrifft. Das Mammographie-Screening, also die regelmäßige Röntgenuntersuchung der Brust zur Früherkennung, wird für jüngere Frauen geöffnet. Bisher galt es ab 50, künftig soll es schon ab 45 losgehen. Was der Beschluss bedeutet, wann es konkret wird und was du bis dahin beachten solltest, liest du hier.

    In 30 Sekunden

    Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am 15. Oktober beschlossen, das Mammographie-Screening auf Frauen ab 45 auszuweiten. Rund 2,5 Millionen Frauen zwischen 45 und 49 bekommen damit einen neuen Anspruch. Selbst anmelden können sie sich voraussichtlich ab dem 1. August 2027, persönliche Einladungen kommen voraussichtlich ab Januar 2028. Bis dahin musst du nichts tun. Wer Beschwerden hat, wartet aber nicht auf das Screening.

    Was der Beschluss genau bedeutet

    Der Gemeinsame Bundesausschuss, kurz G-BA, legt fest, welche Leistungen die gesetzlichen Kassen bezahlen. Bisher haben Frauen zwischen 50 und 75 alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammographie im Screening-Programm. Laut G-BA sind das rund 14,5 Millionen Frauen. Nun hat das Gremium die untere Altersgrenze auf 45 Jahre gesenkt.

    Den Weg dafür hatte eine geänderte Strahlenschutz-Verordnung frei gemacht, die im März 2026 in Kraft getreten ist. Auch die europäische Leitlinie zu Brustkrebs empfiehlt, Frauen ab 45 in die Früherkennung einzubeziehen. Der Beschluss muss noch vom Bundesgesundheitsministerium geprüft werden. Beanstandet es ihn nicht, soll er am 1. August 2027 in Kraft treten.

    Warum es nicht sofort losgeht

    Bis zum geplanten Start am 1. August 2027 vergehen gut neun Monate, die Einladungen sollen voraussichtlich ab 2028 kommen. Der Grund ist praktisch: Die Screening-Einheiten brauchen mehr Termine, mehr Personal und angepasste Abläufe, um auf einen Schlag mehrere Millionen zusätzliche Frauen versorgen zu können. Deshalb ist ein Übergang vorgesehen.

    Zuerst können sich Frauen zwischen 45 und 49 voraussichtlich ab August 2027 selbst anmelden. Das läuft über die Zentralen Stellen des Screening-Programms in den Bundesländern. Die automatischen Einladungen, wie sie Frauen ab 50 heute schon per Post bekommen, sollen voraussichtlich ab Januar 2028 folgen.

    Schaubild Zeitplan: 15. Oktober 2026 G-BA-Beschluss, danach Prüfung durch das Bundesgesundheitsministerium, voraussichtlich ab 1. August 2027 Selbstanmeldung, voraussichtlich ab Januar 2028 Einladung per Post. Anspruch alle zwei Jahre: 45 bis 49 Jahre neu, rund 2,5 Millionen Frauen; 50 bis 75 Jahre wie bisher, rund 14,5 Millionen. Bei Beschwerden nicht warten.
    Vom Beschluss bis zur ersten Einladung: Beide Starttermine gelten voraussichtlich.

    Und was ist mit der Finanzierung?

    In den vergangenen Tagen ist eine Debatte dazu aufgekommen, wie Früherkennung künftig bezahlt wird. Hintergrund ist das Spargesetz für die Krankenkassen: Leistungen, die bisher außerhalb des Praxisbudgets vergütet wurden, sollen ab 2027 grundsätzlich budgetiert werden. Wie das bei der Früherkennung aussieht, verhandeln Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband am 18. November, berichtet das Deutsche Ärzteblatt.

    Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis sagte dazu, die Ausweitung dürfe „nicht durch die Finanzierung konterkariert“ werden. Wichtig für dich: Beschlossen ist bisher keine Kürzung. Es geht um die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte bezahlt werden, nicht darum, ob du die Untersuchung bekommst.

    Screening ist nicht dasselbe wie eine Untersuchung bei Beschwerden

    Das Screening ist für Frauen gedacht, die keine Symptome haben. Es soll Brustkrebs finden, bevor er Beschwerden macht. Wer dagegen einen Knoten tastet, eine Veränderung an der Haut oder der Brustwarze bemerkt oder Schmerzen hat, sollte nicht auf eine Einladung warten. Dann ist der richtige Weg die Frauenarztpraxis, und zwar zeitnah und unabhängig vom Alter.

    Ob das Screening für dich persönlich sinnvoll ist, kannst du ebenfalls in der Frauenarztpraxis besprechen. Wie jede Früherkennung hat auch die Mammographie Vor- und Nachteile, über die du dich in Ruhe informieren solltest, bevor du hingehst. Mit der Einladung verschickt das Programm dafür eine eigene Versicherteninformation.

    Wen das betrifft

    Am direktesten betrifft der Beschluss Frauen, die zwischen 45 und 49 sind oder in den nächsten Jahren 45 werden, also viele, die mitten im Berufsleben stehen oder Kinder im Schulalter haben. Für sie lohnt es sich, den August 2027 im Hinterkopf zu behalten.

    Aber auch Töchter können etwas tun: Wer eine Mutter zwischen 50 und 75 hat, kann sie daran erinnern, die Einladung zum Screening nicht im Papierstapel verschwinden zu lassen. Für diese Altersgruppe ändert sich durch den Beschluss nichts, das Angebot gilt weiter.

    Was du tun kannst

    1. Jetzt nichts überstürzen. Der neue Anspruch beginnt voraussichtlich im August 2027. Bis dahin gibt es kein Screening-Angebot für Frauen unter 50.
    2. Bei Auffälligkeiten sofort handeln. Ein Tastbefund oder andere Veränderungen gehören in die Frauenarztpraxis, egal wie alt du bist.
    3. Den Termin vormerken. Wer zwischen 45 und 49 ist, kann sich ab dem Start voraussichtlich selbst bei der Zentralen Stelle anmelden.
    4. Sich vorher informieren. Lies die Versicherteninformation zum Screening und sprich offene Fragen in der Praxis an.

    Welche weiteren Vorsorgeangebote deine Kasse macht, findest du in unseren .

  • Stress im Griff: Zur Woche der seelischen Gesundheit zahlen Kassen bei zertifizierten Kursen mit

    Stress im Griff: Zur Woche der seelischen Gesundheit zahlen Kassen bei zertifizierten Kursen mit

    Durchatmen lernen. Die Kasse beteiligt sich.

    Stress-Kurse auf Kassenkosten: Zur Woche der seelischen Gesundheit erinnern die Kassen an fast 50.000 zertifizierte Angebote. So findest du deinen Kurs.

    Der Laptop ist zu, aber der Kopf läuft weiter. Die Mails von morgen, der Elternabend, der Anruf bei der Mutter, der noch aussteht. Viele kennen diese Abende, an denen Abschalten einfach nicht gelingt. Wenn das zum Dauerzustand wird, lohnt sich mehr als ein guter Vorsatz. Zur Woche der seelischen Gesundheit, die am 10. Oktober begonnen hat, erinnern die gesetzlichen Krankenkassen gemeinsam daran, dass sie Kurse gegen Stress mitfinanzieren. Das Angebot ist größer, als viele denken.

    In 30 Sekunden

    Bundesweit gibt es im Bereich Stress- und Ressourcenmanagement fast 50.000 Präsenzkurse und rund 2.500 Onlineangebote, etwa Autogenes Training, Hatha-Yoga oder Tai-Chi. Wenn ein Kurs von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert ist, übernimmt deine Krankenkasse einen Teil der Kosten. Wie viel das ist und wie oft du einen Kurs bezuschusst bekommst, regelt jede Kasse selbst. Ein Blick auf die Website deiner Kasse vor der Anmeldung spart Ärger.

    Was die Kassen anbieten

    Die Verbände der Krankenkassen, darunter der BKK Dachverband, der AOK-Bundesverband, der Verband der Ersatzkassen, die Innungskrankenkassen, die Knappschaft und die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, haben ihre Präventionskurse in einer gemeinsamen Mitteilung vorgestellt. Insgesamt stehen mehr als 120.000 zertifizierte Kurse zur Verfügung. Neben Stress geht es dabei um Bewegung, Ernährung und den Umgang mit Suchtmitteln.

    Die Kurse sollen helfen, Stress früh zu bemerken und die eigene psychische Widerstandskraft zu stärken. „Auf Dauer kann Stress die psychische und körperliche Gesundheit beeinträchtigen, etwa durch Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder körperliche Verspannungen“, sagt Melanie Dold, die beim Verband der Ersatzkassen die Zertifizierung von Präventionskursen leitet. Es sei wichtig, Belastungen „frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern“.

    Warum das Siegel wichtig ist

    Nicht jeder Yogakurs im Viertel wird von der Kasse bezuschusst. Entscheidend ist die Zertifizierung durch die Zentrale Prüfstelle Prävention. Sie prüft im Auftrag aller Kassen, ob Kurs und Kursleitung die Qualitätsanforderungen des sogenannten Leitfadens Prävention erfüllen. Das schützt dich vor Angeboten, die viel versprechen und wenig halten. Und es ist die Voraussetzung dafür, dass du Geld zurückbekommst.

    Praktisch heißt das: Erst den Kurs prüfen, dann buchen. Fast alle Kassen haben auf ihrer Website eine Kurssuche, in der nur zertifizierte Angebote auftauchen. Dort siehst du auch, welche Kurse in deiner Nähe oder online laufen.

    Für wen sich ein Kurs besonders lohnt

    Wenn du berufstätig bist und merkst, dass du nach Feierabend nicht mehr herunterkommst, kann ein Kurs in Entspannungstechniken ein guter Einstieg sein. Viele Angebote laufen abends oder am Wochenende, Onlinekurse lassen sich auch nach dem Zubettbringen der Kinder einschieben.

    Eltern kleiner Kinder und pflegende Angehörige stehen oft unter einer Dauerbelastung, die sich kaum abstellen lässt. Gerade hier hilft es, eine Technik zu lernen, die auch in zehn Minuten Ruhe funktioniert. Wer gerade ins Berufsleben startet oder studiert, kann mit einem Kurs früh Routinen aufbauen, bevor sich Stress festsetzt.

    Wichtig ist eine Abgrenzung: Ein Präventionskurs ersetzt keine Behandlung. Wenn du seit Wochen schlecht schläfst, dich antriebslos fühlst oder kaum noch Freude empfindest, sprich mit deiner Hausarztpraxis. Sie kann einschätzen, ob mehr dahintersteckt, und dich weitervermitteln. In akuten Krisen ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 rund um die Uhr erreichbar.

    So kommst du an dein Geld

    Der übliche Weg ist einfach. Du meldest dich für einen zertifizierten Kurs an und zahlst die Kursgebühr zunächst selbst. Nach dem Kurs reichst du die Teilnahmebestätigung und die Rechnung bei deiner Kasse ein, meist geht das inzwischen per App. Viele Kassen zahlen nur, wenn du regelmäßig teilgenommen hast. Wie hoch der Zuschuss ist und wie viele Kurse im Jahr gefördert werden, legt jede Kasse selbst fest. Manche rechnen den Kurs zusätzlich im Bonusprogramm an.

    Wie du die Vorsorgeangebote deiner Kasse insgesamt gut nutzt, von Kursen über Check-ups bis zum Bonusprogramm, beantworten wir in unserer FAQ zu .

    Was du tun kannst

    1. Die Kurssuche deiner Kasse öffnen. Filter nach Stress- und Ressourcenmanagement und nach Kursen in deiner Nähe oder online.
    2. Die Förderbedingungen lesen. Prüfe, wie viel deine Kasse zahlt, wie oft im Jahr und welche Nachweise sie braucht.
    3. Eine Technik wählen, die zu deinem Alltag passt. Autogenes Training lässt sich überall üben, Yoga oder Tai-Chi verbinden Bewegung und Ruhe.
    4. Die Bestätigung aufheben. Teilnahmebescheinigung und Rechnung brauchst du für die Erstattung, im Zweifel auch fürs Bonusprogramm.

    Stress lässt sich nicht abschaffen, aber man kann lernen, besser mit ihm umzugehen. Die Woche der seelischen Gesundheit ist ein guter Anlass, damit anzufangen, und deine Kasse beteiligt sich an den Kosten.

  • Grippeimpfung: Mehr Ältere lassen sich impfen — die Apotheke um die Ecke nutzt kaum jemand

    Grippeimpfung: Mehr Ältere lassen sich impfen — die Apotheke um die Ecke nutzt kaum jemand

    Der Schutz ist kostenlos. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt.

    Grippeimpfung ab 60: Die Quote steigt erstmals seit fünf Jahren, die Apotheke nutzt kaum jemand. Wer den Piks gratis bekommt und wann er sinnvoll ist.

    Zum ersten Mal seit fünf Jahren lassen sich wieder mehr ältere Menschen gegen Grippe impfen. Das zeigt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse vom 2. Oktober 2026: Rund 40 Prozent der TK-Versicherten ab 60 haben sich im Winter 2025/26 impfen lassen. Das ist ein Fortschritt, aber noch weit weg vom Ziel. Und ein Angebot, das seit 2022 vieles einfacher machen könnte, spielt bisher kaum eine Rolle: die Grippeimpfung in der Apotheke. Wenn du zu einer der Gruppen gehörst, für die die Impfung empfohlen ist, ist jetzt genau der richtige Moment, dich darum zu kümmern.

    In 30 Sekunden

    Die TK hat Daten ihrer Versicherten von September 2025 bis März 2026 ausgewertet. Vier von zehn Versicherten ab 60 waren gegen Grippe geimpft, in Sachsen-Anhalt mehr als jede und jeder Zweite, in Baden-Württemberg nur jede vierte Person. In Apotheken ließen sich rund 60.000 TK-Versicherte impfen, bei den Über-60-Jährigen war es aber weniger als ein Prozent. Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät, sich zwischen Oktober und Mitte Dezember impfen zu lassen. Für die empfohlenen Gruppen ist die Impfung Kassenleistung.

    Was die neuen Zahlen zeigen

    Nach Jahren ohne Anstieg ist das Plus eine gute Nachricht. TK-Chef Jens Baas nennt die steigende Bereitschaft „natürlich erfreulich“, schiebt aber gleich hinterher: Von der EU-Zielquote von 75 Prozent sei man „noch weit entfernt“. Auf diesen Wert haben sich die Weltgesundheitsorganisation und die Europäische Kommission für die Risikogruppen verständigt. Zwischen 40 und 75 Prozent liegen sehr viele Menschen, die in einen Grippewinter ohne Impfschutz gehen.

    Auffällig ist das Gefälle quer durchs Land. Wie schon in den Vorjahren lassen sich Ältere im Osten deutlich häufiger impfen als im Süden und Südwesten. Sachsen-Anhalt kommt auf 54 Prozent, Sachsen auf 50 Prozent, Baden-Württemberg auf 25 Prozent, also nur halb so viel. Woran das im Einzelnen liegt, schlüsselt die Auswertung nicht auf. Für dich zählt etwas anderes: Wenn du in einer Region lebst, in der das Impfen weniger üblich ist, erinnert dich womöglich niemand daran. Dann lohnt es sich umso mehr, selbst aktiv zu werden.

    Für wen die Impfung empfohlen ist

    Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem für Menschen ab 60 Jahren, für Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, für Menschen mit gesundheitlicher Gefährdung, etwa durch eine chronische Erkrankung, für Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie für medizinisches Personal. Gehörst du dazu, übernimmt deine Krankenkasse die Kosten. Was das konkret für deinen Alltag heißt, hängt von deiner Lebenssituation ab.

    Bist du im Ruhestand und ohnehin regelmäßig in der Hausarztpraxis, lässt sich die Impfung oft einfach an einen Routinetermin anhängen. Frag beim nächsten Blutdruck-Check oder Rezept einfach mit. Bist du schwanger und im zweiten oder dritten Drittel, sprich deine Frauenarztpraxis darauf an. Dort weiß man, was in deiner Schwangerschaft sinnvoll ist. Lebst du mit einer chronischen Erkrankung, kann eine Grippe dich härter treffen als andere. Ob du zur Risikogruppe zählst, klärt deine Praxis in wenigen Minuten.

    Hast du einen Elternteil im Pflegeheim, lohnt sich eine kurze Nachfrage bei der Einrichtung, ob und wann dort geimpft wird. Und wenn du jemanden zu Hause pflegst, sprich mit deiner Hausarztpraxis darüber, ob die Impfung auch für dich sinnvoll ist. Schließlich hast du engen Kontakt zu einem Menschen, für den eine Grippe gefährlich werden kann.

    Die Apotheke: praktisch, aber noch die Ausnahme

    Seit 2022 dürfen Apotheken gegen Grippe impfen. Das klingt nach einer bequemen Lösung, denn viele Ältere holen dort ohnehin regelmäßig ihre Medikamente. In der Praxis hat sich das noch nicht durchgesetzt. Laut TK bietet bundesweit nur etwa jede achte Apotheke die Impfung an. Die Apotheke um die Ecke kann also, muss aber nicht.

    Genau hier liegt der Grund, warum es sich lohnt, kurz vorher zu fragen. Rufst du an oder schaust auf die Website deiner Stammapotheke, weißt du in einer Minute, ob sie impft und ob du einen Termin brauchst. Für alle, denen der Weg zur Hausarztpraxis schwerfällt oder die dort lange auf einen Termin warten, kann das eine echte Erleichterung sein. Gehörst du zu den empfohlenen Gruppen, bekommst du die Impfung auch in einer teilnehmenden Apotheke kostenlos.

    Wie du Vorsorgeangebote deiner Kasse insgesamt gut nutzt, von Kursen bis Bonusprogramm, beantworten wir in unserer FAQ zu . Weitere Fragen rund um Kasse und Versorgung findest du in unserem .

    Was du tun kannst

    1. Impfpass heraussuchen. Schau nach, wann du zuletzt gegen Grippe geimpft wurdest. Der Impfstoff wird jedes Jahr angepasst, deshalb gilt die Empfehlung für jede Saison neu.
    2. Einen festen Termin setzen. Trag dir einen Tag im Oktober oder November in den Kalender ein, statt auf den nächsten zufälligen Praxisbesuch zu warten.
    3. Bei der Apotheke vorher nachfragen. Ruf kurz an, ob sie impft, und nimm Impfpass und Gesundheitskarte mit.
    4. Für Angehörige mitdenken. Frag im Pflegeheim nach dem Impftermin oder erinnere Eltern und Großeltern, die zu Hause leben, an ihren Termin.

    Ein kleiner Piks, einmal im Jahr, kostenlos für alle, denen die STIKO ihn empfiehlt. Dass wieder mehr Ältere mitmachen, ist ein gutes Zeichen. Mach den Schritt mit, egal ob in der Hausarztpraxis oder in einer der Apotheken, die impfen.

  • RSV-Schutz für Babys: Zweiter Antikörper ist jetzt Kassenleistung

    RSV-Schutz für Babys: Zweiter Antikörper ist jetzt Kassenleistung

    Nichts beantragen – einfach beim Kinderarzt fragen.

    Seit 1. Oktober zahlt die Kasse neben Nirsevimab auch Clesrovimab als RSV-Schutz für Säuglinge in der ersten Saison. Eltern müssen nichts beantragen.

    Pünktlich zum Start der Herbst- und Wintersaison gibt es für Eltern eine gute Nachricht: Seit dem 1. Oktober 2026 können Kinderärztinnen und Kinderärzte gesunde Neugeborene und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison auch mit dem Antikörper Clesrovimab (Handelsname Enflonsia) schützen – auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse. Bisher war dafür nur Nirsevimab (Beyfortus) erstattungsfähig. Du musst nichts beantragen. Wichtig ist nur, dass du in der Praxis danach fragst.

    In 30 Sekunden

    Clesrovimab wurde laut Deutschem Ärzteblatt und KBV vom 2. Oktober in die RSV-Prophylaxeverordnung aufgenommen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt das Mittel seit September, auf dem Markt ist es seit Juni. Erst die Verordnung verpflichtet die Kassen aber, die Kosten zu übernehmen. Die Abrechnung läuft direkt zwischen Praxis und Kasse, für beide Antikörper gelten dieselben Abrechnungsziffern. Gemeint sind gesunde Babys in ihrer ersten RSV-Saison, die typischerweise von Oktober bis März dauert.

    Warum RSV für Babys so ernst ist

    Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) kennen die meisten Erwachsenen nur als hartnäckige Erkältung. Für Säuglinge ist es eine der häufigsten Ursachen, im Herbst und Winter ins Krankenhaus zu müssen. Die kleinen Atemwege schwellen schnell zu, das Atmen wird anstrengend, manche Babys trinken kaum noch. Deshalb empfiehlt die STIKO die Antikörper-Prophylaxe für alle Babys in der ersten Saison – nicht nur für Frühchen oder Kinder mit Vorerkrankungen.

    Wer in den vergangenen Wintern Kinderkliniken an der Belastungsgrenze erlebt hat, weiß, was das für Familien bedeutet. Jede Infektion, die gar nicht erst schwer verläuft, ist ein Gewinn – für das Kind, für die Eltern und für die Stationen.

    Was der Antikörper macht – und was nicht

    Bei beiden Mitteln handelt es sich um eine passive Immunisierung. Dein Kind bekommt fertige Antikörper gespritzt, die das Virus abfangen, bevor es schwere Schäden anrichten kann. Das Immunsystem muss also nicht erst selbst lernen, wie es sich wehrt, wie bei einer klassischen Impfung. Der Schutz hält über die Saison.

    Welches der beiden Präparate dein Kind bekommt, entscheidet die Kinderarztpraxis – nach Verfügbarkeit, STIKO-Empfehlung und ihrer medizinischen Einschätzung. Für dich als Elternteil macht das bei der Abrechnung keinen Unterschied: Beide sind seit dem 1. Oktober Kassenleistung. Ein zweiter Wirkstoff kann außerdem helfen, wenn ein Präparat einmal knapp wird.

    Wann der richtige Zeitpunkt ist

    Am meisten profitieren Babys, die kurz vor oder während der Saison geboren werden. Ein Kind, das im November zur Welt kommt, ist in den Wochen mit den meisten Infektionen besonders verletzlich. Viele Praxen sprechen die Prophylaxe inzwischen von sich aus an, verlassen solltest du dich darauf aber nicht. Gute Gelegenheiten sind die ersten U-Untersuchungen oder der erste Termin nach der Geburt.

    Bist du gerade schwanger, kannst du das Thema schon vorher bei deiner Frauenarztpraxis oder Hebamme ansprechen. Hilfreich ist auch, früh eine Kinderarztpraxis zu suchen und die ersten Termine nach der Geburt zu vereinbaren. Gerade im Herbst sind viele Praxen voll, und ein fester Ansprechpartner erspart dir die Suche in den ersten anstrengenden Wochen.

    Was du als Elternteil wissen solltest

    Die Krankenkasse zahlt, ohne dass du etwas einreichen musst. Eine Privatrechnung solltest du für die Prophylaxe nach der Verordnung nicht bekommen. Falls doch, frag bei der Praxis nach und melde dich im Zweifel bei der Hotline deiner Kasse. Bring zum Termin das gelbe Kinder-Untersuchungsheft und den Impfpass mit, damit die Gabe sauber dokumentiert ist.

    Nach der Spritze kann es, wie bei jeder Injektion, zu leichten Reaktionen an der Einstichstelle kommen. Wirkt dein Baby danach ungewöhnlich krank, ruf die Praxis an. Für Fragen zur Wirkung sind die Kinderärztinnen und -ärzte die richtigen Ansprechpartner, nicht Foren oder Vergleichsportale.

    Passend zur Saison lohnt sich auch der Blick auf den Rest der Familie: Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung ab Oktober, etwa für Menschen ab 60, chronisch Kranke und Schwangere. Wer ein Neugeborenes zu Hause hat, schützt es indirekt mit.

    Was du tun kannst

    1. Aktiv nach dem RSV-Schutz fragen. Beim ersten Termin nach der Geburt oder bei der nächsten U-Untersuchung – besonders, wenn dein Baby zwischen Oktober und März auf die Welt kommt.
    2. Untersuchungsheft und Impfpass mitnehmen. So wird die Gabe dokumentiert und spätere Termine laufen reibungslos.
    3. In der Schwangerschaft vorplanen. Such dir früh eine Kinderarztpraxis und sprich den RSV-Schutz schon beim ersten Kennenlernen an.
    4. Bei einer Rechnung nachhaken. Die Prophylaxe nach Verordnung ist Kassenleistung; eine Privatrechnung ist ein Grund, nachzufragen.

    Unterm Strich: Mehr Auswahl, keine Zusatzkosten, kein Antrag. Für Eltern von Herbst- und Winterbabys ist das eine der einfachsten Möglichkeiten, ihr Kind gut durch die erste Saison zu bringen.

  • BKK Green Health ausgezeichnet: Was Klima und Gesundheit für dich bedeuten

    BKK Green Health ausgezeichnet: Was Klima und Gesundheit für dich bedeuten

    Klima trifft Gesundheit – Green Health prämiert.

    Am 17. September 2026 ist die Initiative BKK Green Health beim Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte Preisträger in der Kategorie Unternehmensstrategie. Warum Klima und Gesundheit dich als Versicherten betreffen – und was Betriebskrankenkassen konkret tun.

    Am 17. September 2026 ist die Initiative BKK Green Health beim Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte Preisträger in der Kategorie Unternehmensstrategie. Warum Klima und Gesundheit dich als Versicherten betreffen – und was Betriebskrankenkassen konkret tun.

    Nachhaltigkeit klingt oft nach Unternehmensbroschüre. Am 17. September 2026 wurde daraus für die Betriebskrankenkassen etwas Greifbares: Die Initiative BKK Green Health des BKK Dachverbandes ist beim Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte 2026 in der Kategorie Unternehmensstrategie als Preisträger ausgezeichnet worden – neben dem ersten Platz von DEKRA und weiteren Projekten. Die Verleihung fand im Rahmen des BIG BANG KI Festivals in der STATION Berlin statt.

    Für dich als Versicherten ist das mehr als eine Trophäe. Es zeigt, dass Krankenkassen Klimaschutz und Prävention zusammen denken – und dass das Thema auch deine Versorgung, deinen Alltag und langfristig deine Beiträge berührt.

    Was der Award bedeutet

    ntv, DUP UNTERNEHMER und das Deutsche Institut für Service-Qualität zeichneten 46 Projekte aus 433 Nominierten in 19 Kategorien aus. Die Jury bewertet Wirkungsgrad und Nutzen, Innovation, Relevanz für Kerngeschäft und Branche sowie Aktualität. Juryvorsitz: Prof. Dr. Claudia Kemfert; Schirmherrschaft: Brigitte Zypries, Bundesministerin a. D.

    Dass ausgerechnet eine Kasseninitiative in der Kategorie Unternehmensstrategie landet, ist bemerkenswert: Nachhaltigkeit ist hier kein Nebenprojekt, sondern Teil der strategischen Ausrichtung des BKK-Systems. Kemfert betont, nachhaltiges Wirtschaften sichere eine lebenswerte Zukunft und eine gesunde Ökonomie. Zypries sieht im Award Vorbildcharakter für Unternehmen und Institutionen.

    Kurz: Die Auszeichnung bestätigt einen Kurs, den Betriebskrankenkassen seit Jahren verfolgen – Klima, Gesundheit und Versorgung zusammendenken statt getrennt behandeln.

    Warum Klima und Gesundheit dich betreffen

    Hitze, Luftqualität, Allergene, Extremwetter: Der Klimawandel wirkt nicht nur auf die Umwelt, sondern direkt auf Körper und Psyche. Häufiger werden unter anderem Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, Allergien, Hautkrebs und belastende Hitzeperioden – besonders für ältere und chronisch kranke Menschen. Auch indirekte Folgen wie Stress oder eingeschränkte Arbeits- und Alltagsfähigkeit nehmen zu.

    Gleichzeitig hat der Gesundheitssektor selbst einen spürbaren ökologischen Fußabdruck. Wer Versorgung sichern will, muss also zweigleisig denken: Schutz vor klimabedingten Gesundheitsrisiken und weniger Emissionen im System. Genau dort setzt BKK Green Health an.

    Anfang September 2026 hat der BKK Dachverband zudem die European Declaration on Heat and Health unterzeichnet – ein europäisches Signal für mehr Tempo beim Hitzeschutz und bei der Klimaanpassung im Gesundheitswesen. Das passt zur Award-Linie: Prävention, Klimaschutz und klimaresiliente Versorgung gehören zusammen, nicht in getrennte Schubladen.

    Was BKKs unter Green Health machen

    Die Initiative BKK Green Health wurde 2021 von Betriebskrankenkassen, BKK-Landesverbänden und dem BKK Dachverband gegründet. Ziel: eine gemeinsame Haltung zu ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit – und konkrete Projekte bis 2030.

    Typische Handlungsfelder, die dich als Versicherten betreffen können:

    1. Prävention mit Doppelwirkung
      Was dem Klima hilft, schützt oft auch dich: mehr Bewegung zu Fuß oder mit dem Rad, pflanzenbetonte und regionale Ernährung, weniger Stress im Alltag. Solche Hebel senken Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Diabetes – und reduzieren zugleich Emissionen. Mehr zu findest du im FAQ.

    2. Nachhaltigere Versorgung
      BKKs arbeiten mit Partnern in ambulanter und stationärer Versorgung sowie Pflege daran, Strukturen klimafreundlicher und widerstandsfähiger zu machen – etwa bei Hitzeperioden oder in der Organisation von Einrichtungen.

    3. Betriebliche Gesundheit
      Viele BKKs sind eng mit Betrieben verbunden. Green Health nimmt die Arbeitswelt in den Blick: klimasensibles betriebliches Gesundheitsmanagement, Empfehlungen für Beschäftigte und Programme, die persönliche und planetare Gesundheit verknüpfen – etwa achtsame, klimafreundliche Ernährung am Arbeitsplatz.

    4. Wissen und Austausch im BKK-System
      Trainings, Wissenstransfer und gemeinsame Projekte sollen verhindern, dass jede Kasse das Rad allein erfindet. Für dich heißt das: bessere Chance auf durchgängige Angebote statt isolierter Einzelaktionen.

    Wichtig: Nicht jede Maßnahme landet sofort in deiner App. Der Award würdigt die strategische Richtung – und den Anspruch, Nachhaltigkeit im Kerngeschäft der Kassen zu verankern.

    Ratgeber: Was du praktisch tun kannst

    Du musst kein Klimaaktivist werden, um von der Schnittstelle Klima und Gesundheit zu profitieren. Ein realistischer Einstieg:

    1. Hitze und Alltag ernst nehmen.
    Bei Hitzeperioden: ausreichend trinken, kühle Räume nutzen, Medikamente und chronische Erkrankungen mit der Praxis absprechen. Besonders relevant für Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

    2. Bewegung und Wege neu denken.
    Kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Rad sind Prävention und Klimaschutz in einem. Viele Kassen bezuschussen zertifizierte Bewegungskurse – lohnt ein Blick in den Bonus- oder Präventionskatalog.

    3. Ernährung mit Augenmaß.
    Mehr pflanzlich, regional und bewusst – ohne Dogma. Das entlastet oft Herz, Stoffwechsel und Umwelt gleichzeitig. Manche BKKs bieten dazu betriebliche oder digitale Programme an.

    4. Kassenangebote prüfen.
    Frag deine Betriebskrankenkasse nach Präventionskursen, betrieblicher Gesundheitsförderung oder Infos zu Hitze und Klimagesundheit. Die Award-Auszeichnung ist ein guter Anlass, die konkreten Angebote deiner Kasse zu checken.

    5. Erwartungen realistisch halten.
    Klimaresiliente Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen brauchen politische Rahmen und Finanzierung – das darf nicht allein auf Beitragszahlende abgewälzt werden. Als Versicherter kannst du informiert bleiben und Angebote nutzen; die großen Hebel liegen bei Politik und System.

    Fazit

    Der Deutsche Award für Nachhaltigkeitsprojekte 2026 macht sichtbar, was BKK Green Health seit Jahren anstrebt: Klimaschutz, Prävention und klimaresiliente Versorgung als Teil der Kassenstrategie. Für dich zählt vor allem der Alltag – Bewegung, Ernährung, Hitzeschutz und die Angebote deiner BKK. Die Auszeichnung ist kein Selbstzweck, sondern Rückenwind für einen Kurs, der Gesundheit und Umwelt zusammen denkt – nüchtern, praktisch und langfristig wirksam.

  • Welttag der Suizidprävention: Warum Betriebe und Alltag zählen

    Welttag der Suizidprävention: Warum Betriebe und Alltag zählen

    10.372 Suizide 2024 – Prävention braucht Alltag und Betrieb.

    Zum Welttag der Suizidprävention fordert der BKK Dachverband verbindlichere Strukturen. 10.372 Suizide 2024, alle 51 Minuten ein Fall – und eine Studie zeigt: Viele sorgen sich um Kolleginnen und Kollegen. Was das für Alltag und Arbeitsplatz bedeutet.

    Am 10. September erinnert der Welttag der Suizidprävention daran, dass hinter Statistiken Menschen stehen – und dass Hilfe möglich ist. Der BKK Dachverband nutzt den Tag für eine klare Botschaft: Prävention braucht verbindlichere Strukturen, dort wo Menschen leben und arbeiten. Für dich als Versicherte:n und im Kollegenkreis geht es vor allem um Orientierung: hinsehen, ansprechen, professionelle Hilfe vermitteln – ohne Spektakel und ohne Tabu.

    Die Zahlen hinter dem Welttag

    Laut Pressemitteilung des BKK Dachverbandes vom 10. September 2026 starben im Jahr 2024 in Deutschland 10.372 Menschen durch Suizid. Statistisch entspricht das einem Fall alle 51 Minuten. Suizid zählt damit weiterhin zu den bedeutendsten vermeidbaren Todesursachen; mehr als dreimal so viele Menschen sterben daran als bei Verkehrsunfällen.

    Vorständin Anne-Kathrin Klemm betont: Hinter jeder Zahl stehe ein menschliches Schicksal. Ziel müsse sein, präventiv alles dafür zu tun, dass Suizid nicht als letzter Ausweg erscheine. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie Kolleginnen und Kollegen seien betroffen. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigten, dass neben den Angehörigen auch mindestens 15 bis 30 Personen aus dem direkten Umfeld sowie zahlreiche weitere Menschen mit den Folgen leben. Deshalb seien auch Unterstützungsangebote für Hinterbliebene und Bezugspersonen wichtig. Suizidprävention sei nicht nur eine gesundheitspolitische, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.

    Besonders betroffen sind Männer: Sie machen mehr als 70 Prozent aller Suizidfälle aus. Die höchsten Fallzahlen liegen unter anderem bei Männern zwischen 55 und 64 Jahren sowie bei älteren Menschen. Die Zahl der Suizide ist seit den 1980er-Jahren deutlich zurückgegangen – in den letzten Jahren ist jedoch wieder ein leichter Anstieg zu beobachten. Das macht den Welttag nicht zu einem Tag der Resignation, sondern zu einem Appell: Frühe Hilfe und verlässliche Strukturen retten Leben.

    Was der BKK Dachverband fordert

    Der Verband unterstützt das politische Vorhaben, die nationale Suizidprävention gesetzlich zu stärken. Bisherige Bemühungen greifen aus Sicht der Betriebskrankenkassen zu kurz. Klemm fordert verbindlichere und wirkungsvollere Strukturen, einen deutlich höheren Stellenwert in der Gesundheitspolitik und eine angemessene Finanzierung.

    Wichtig ist der Ort der Hilfe: Betriebe, Schulen, Hochschulen und Pflegeeinrichtungen. Präventions- und Unterstützungsangebote müssten dort ansetzen, wo Menschen niedrigschwellig im Alltag erreichbar seien. Genau das verbindet den Welttag mit dem Alltag vieler Versicherter – nicht nur mit Klinik und Krisenversorgung, sondern mit Arbeitsplatz, Team und Lebenswelt.

    Studie: Mehr als 80 Prozent sorgen sich um Kolleginnen und Kollegen

    Eine vom BKK Dachverband geförderte Studie des Werner-Felber-Instituts zur Suizidprävention in Unternehmen unterstreicht den betrieblichen Bedarf. Demnach haben sich mehr als 80 Prozent der Befragten bereits Sorgen um eine psychisch belastete Person im Kollegenkreis gemacht. Gleichzeitig wünschen sich viele mehr Informationen zum Erkennen von Belastungen und Suizidalität, konkrete Handlungsleitfäden für den Umgang mit psychischen Krisen sowie Hinweise auf externe Hilfsangebote.

    Klemm dazu: Menschen verbringen einen erheblichen Teil ihres Lebens am Arbeitsplatz. Deshalb müssten Unternehmen stärker dabei unterstützt werden, psychische Krisen zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Niemand solle mit der Sorge um eine betroffene Kollegin oder einen betroffenen Kollegen allein gelassen werden.

    Das ist keine Aufforderung, therapeutisch zu handeln. Es ist ein Plädoyer für eine Kultur des Hinschauens: wahrnehmen, nachfragen, zuhören – und bei Bedarf an professionelle Stellen vermitteln. Unsicherheit ist normal; genau deshalb braucht es klare Ansprechpersonen im Betrieb und verlässliche externe Angebote.

    Was du im Alltag und im Betrieb tun kannst

    Dieser Ratgeber bleibt bewusst behutsam. Es geht nicht um Methoden und nicht um Dramatik – sondern um erste, sichere Schritte.

    1. Ernst nehmen, was du wahrnimmst. Veränderungen im Verhalten, Rückzug, anhaltende Überlastung oder Aussagen, die dir Sorgen machen, verdienen Aufmerksamkeit. Du musst die Situation nicht „richtig diagnostizieren“. Deine Aufgabe als Mitmensch oder Führungskraft ist es, da zu sein und den Kontakt nicht abbrechen zu lassen.

    2. Ansprechen – ruhig, respektvoll, ohne Druck. Ein einfaches „Mir fällt auf, dass es dir gerade nicht gut geht. Möchtest du darüber sprechen?“ kann entlasten. Vermeide Vorwürfe und öffentliche Gespräche. Wenn die Person nicht reden mag, bleib erreichbar und biete erneut an, professionelle Hilfe zu suchen.

    3. Nicht allein tragen. Sorgen um Kolleginnen und Kollegen belasten auch dich. Nutze interne Ansprechpersonen – etwa betriebliche Sozialberatung, Betriebsarzt, Personalverantwortliche oder Vertrauenspersonen –, soweit vorhanden. Du ersetzt keine Therapie und musst keine Krisen allein lösen.

    4. Professionelle Hilfe vermitteln. Verweise auf Hausarztpraxis, psychiatrische oder psychotherapeutische Versorgung, betriebliche Angebote und etablierte Beratungsstellen. Deine Krankenkasse kann bei der Orientierung helfen, welche Leistungen und Präventionsangebote zur Verfügung stehen. Weitere typische Versichertenfragen bündelt der . Im akuten Notfall gilt: Soforthilfe über den bekannten medizinischen Notdienst bzw. den Notruf.

    5. Männer und ältere Beschäftigte mitdenken. Weil Männer überproportional betroffen sind und hohe Fallzahlen auch in mittleren und höheren Altersgruppen liegen, lohnt eine besonders achtsame Gesprächskultur – ohne Stereotype, aber mit der Bereitschaft, auch dann nachzufragen, wenn jemand „schon klar“ kommt.

    6. Hinterbliebene und Bezugspersonen nicht vergessen. Wer jemanden verloren hat oder nahesteht, braucht oft selbst Unterstützung. Auch dafür gibt es fachliche Angebote. Der Welttag ist auch ein Tag des Gedenkens und der Solidarität.

    Was Betriebe und Kassen beitragen können

    Für Unternehmen und Betriebskrankenkassen ergeben sich aus der Werner-Felber-Studie und der BKK-Forderung klare Handlungsfelder:

    • offene Gesprächskultur zu psychischer Belastung fördern
    • Führungskräfte und Teams für Erkennen und Weiterverweisen schulen
    • klare interne Ansprechstrukturen benennen
    • Hinweise auf externe professionelle Hilfe sichtbar machen
    • betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention mit dem Thema verzahnen

    Der BKK Dachverband verweist zudem auf den Welttag der Suizidprävention, der seit 2003 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der International Association for Suicide Prevention (IASP) getragen wird. Weitere Informationen zum Aktionstag bietet das Nationale Suizidpräventionsprogramm unter welttag-suizidpraevention.de.

    Fazit: Verbindlichkeit statt Tabu

    10.372 Suizide im Jahr 2024, alle 51 Minuten ein Fall – diese Zahlen mahnen. Gleichzeitig zeigen Klemm und die Werner-Felber-Studie einen Weg: verbindlichere Strukturen, Hilfe im Alltag und am Arbeitsplatz, und die Entlastung derer, die sich um andere sorgen. Prävention beginnt oft mit einem ruhigen Gespräch und dem Wissen, wohin man weiterverweist.

    Wenn du selbst belastet bist oder jemanden begleitest: Du musst das nicht allein tragen. Professionelle Hilfe ist da – und der erste Schritt dahin ist erlaubt.

    Quellen

  • Longevity ohne Hype: So holst du mehr gesunde Jahre raus

    Longevity ohne Hype: So holst du mehr gesunde Jahre raus

    Mehr gesunde Jahre: ohne Hype, mit Alltagsroutinen.

    Eine DAK-Forsa-Umfrage und das Longevity Forum in Hamburg zeigen: Die meisten wollen länger gesund leben – aber Zeit und Motivation bremsen. Was wirklich hilft und wo deine Krankenkasse ins Spiel kommt.

    „Longevity“ klingt nach teuren Bluttests, Biohacking und Influencer-Versprechen. Dabei geht es um etwas Alltägliches: möglichst lange gesund und selbstbestimmt leben – nicht um ein Rekordlebensalter um jeden Preis. Genau darüber hat die DAK-Gesundheit beim Impulstag Longevity Forum Deutschland am 4. September 2026 im CCH Hamburg diskutiert – und Zahlen aus einer frischen Forsa-Umfrage mitgebracht. Für dich als Versicherte:n lohnt sich der Blick hinter den Hype: Was steckt hinter dem Trend, wo liegen echte Hebel – und was kannst du schon nächste Woche umsetzen?

    Was Longevity für Versicherte wirklich meint

    Laut der repräsentativen Forsa-Befragung im Auftrag der DAK (1.043 Personen zwischen 18 und 70 Jahren, Erhebung vom 7. bis 18. August 2026, Pressemitteilung vom 31. August 2026) sehen 69 Prozent Potenzial darin, den Alterungsprozess zu verlangsamen und möglichst lange gesund zu bleiben. Gleichzeitig kennt nur etwa die Hälfte der Befragten den Begriff Longevity überhaupt. Die Idee ist also populärer als das Label – und das ist kein Nachteil.

    DAK-Vorstandschef Andreas Storm bringt es auf den Punkt: Es gehe nicht um maximales Lebensalter um jeden Preis, sondern um möglichst viele gesunde, selbstbestimmte Jahre. Wirksame Prävention müsse früh ansetzen – und unabhängig von Alter, Bildung und Einkommen zugänglich sein. Prof. Stefan Kluge vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (wissenschaftlicher Leiter des Forums) warnt vor dem Gegenteil: teure Tests und Angebote ohne Nutzennachweis. Gefragt seien evidenzbasierte und alltagstaugliche Maßnahmen.

    Kurz gesagt: Longevity ist kein Wellness-Club für Gutverdienende, sondern ein anderes Wort für kluge Vorsorge im Alltag – mit Hausarzt, Apotheke und Krankenkasse als verlässlichen Partnern statt mit Lifestyle-Marketing.

    Was Menschen schon tun wollen – und was sie ausbremst

    Die Umfrage zeigt eine klare Bereitschaft: Mehr als 70 Prozent wollen aktiv vorsorgen. Die beliebtesten Hebel:

    • Sport und Bewegung – 74 Prozent
    • Soziale Kontakte – 71 Prozent
    • Gehirntraining – 62 Prozent
    • Schlaf – 59 Prozent
    • Wearables (Fitnessuhren & Co.) – 44 Prozent
    Was Menschen für mehr gesunde Jahre tun wollen (DAK-Forsa 2026).
    Was Menschen für mehr gesunde Jahre tun wollen (DAK-Forsa 2026).

    Das klingt machbar – und doch scheitern viele an den gleichen Hürden: Zeitmangel (40 Prozent), fehlende Motivation (35 Prozent) und Kosten (22 Prozent). Wer sich schon einmal vorgenommen hat, „ab Montag“ dreimal die Woche zu joggen, kennt das Muster. Genau deshalb helfen keine Maximalpläne, sondern kleine Routinen, die in den Alltag passen.

    Die häufigsten Bremsen: Zeitmangel, Motivation und Kosten.
    Die häufigsten Bremsen: Zeitmangel, Motivation und Kosten.

    Wichtig für die Orientierung: Bei Gesundheitsinfos vertrauen die Befragten vor allem Ärztinnen und Ärzten (90 Prozent), Apotheken (80 Prozent) und Krankenkassen (75 Prozent). Influencer landen bei nur 4 Prozent. Das ist eine gute Nachricht: Du musst dem lautesten Social-Media-Tipp nicht folgen – seriöse Ansprechpartner sind da und werden klar bevorzugt.

    Prävention wirkt – auch jenseits von Einzelapps

    Am selben Tag (4. September 2026) hat Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, im Podcast „Lebensretter“ der Björn Steiger Stiftung an eine ähnliche Botschaft erinnert: Gute Prävention wirkt für die Gesundheit und im Sinne der Kostenersparnis. Sie sei kein „Schicki-Schick“, müsse früh in Kitas und Schulen ansetzen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen einbeziehen – Ernährung, Alkohol, Tabak.

    Prävention im Alltag: Bewegung, Routinen und Kassenangebote
    Prävention im Alltag: Bewegung, Routinen und Kassenangebote

    Für dich als Versicherte:n heißt das zweierlei. Erstens: Dein Alltag zählt – Bewegung, Schlaf, soziale Netze. Zweitens: Du bist nicht allein verantwortlich. Kassenangebote, betriebliche Gesundheitsförderung und verlässliche Infos von Praxis und Apotheke gehören dazu. Longevity-Marketing ohne Nutzennachweis gehört eher nicht dazu. Wer Prävention ernst nimmt, denkt also in Routinen und Angeboten – nicht nur in Produkten.

    Was du konkret tun kannst

    Hier ein praktischer Einstieg – ohne Biohacking-Budget und ohne Wartezeit auf den „perfekten Montag“:

    1. Starte klein und regelmäßig statt perfekt.
    Drei Spaziergänge à 20 Minuten in der Woche schlagen den ungenutzten Fitnessstudio-Jahresvertrag. Plane Bewegung wie einen Termin im Kalender – dann sinkt die „keine Zeit“-Hürde spürbar. Treppen statt Aufzug und kurze Wege zu Fuß zählen mit.

    2. Schlaf und soziale Kontakte ernst nehmen.
    Die Umfrage rankt beide hoch – und zu Recht. Feste Schlafenszeiten, weniger Bildschirm kurz vor dem Zubettgehen und ein regelmäßiger Termin mit Freund:innen oder der Familie sind Prävention, keine Privatsache zweiter Klasse.

    3. Gehirn fit halten – alltagsnah.
    Neues lernen, Gespräche führen, Hobbys pflegen, ein Instrument üben oder eine Sprache auffrischen: Das braucht keine teure App. Wer mag, kann digitale Angebote der Krankenkasse prüfen – aber als Ergänzung, nicht als Allheilmittel.

    4. Wearables mit Augenmaß nutzen.
    Schrittzähler und Schlaf-Tracking können motivieren und Fortschritte sichtbar machen. Sie ersetzen aber keinen ärztlichen Rat und keine evidenzbasierten Vorsorgeuntersuchungen. Zahlen ohne Einordnung erzeugen oft nur Stress – weniger Daten, mehr Handlung ist meist die bessere Formel.

    5. Vertrauenswürdige Quellen und Kassenangebote nutzen.
    Arztpraxis, Apotheke und Krankenkasse liegen in der Umfrage weit vorn. Frag nach Präventionskursen (zum Beispiel Bewegung, Stressbewältigung, Ernährung), Bonusprogrammen sowie Impf- und Check-up-Erinnerungen. Viele gesetzliche Kassen bezuschussen zertifizierte Kurse – das hilft direkt gegen die Kosten-Hürde von 22 Prozent. Welche Longevity- und Präventionsangebote deine Kasse typischerweise trägt, fasst das FAQ zusammen.

    6. Teure Longevity-Pakete kritisch prüfen.
    Umfassende Biomarker-Panels, Anti-Aging-Infusionen oder Lifestyle-Diagnostik ohne klaren Nutzennachweis sind laut Expert:innen wie Prof. Kluge kein Muss. Vor teuren Eigenleistungen: In der Praxis nachfragen, eine Zweitmeinung einholen und klären, was die Maßnahme an deinem Alltag oder deiner Gesundheit wirklich verändert.

    7. Früh dranbleiben – in jedem Alter.
    Storm betont: Prävention ist nicht nur etwas für „die Alten“ oder „die ohnehin Motivierten“. Je früher Routinen sitzen, desto größer der Effekt auf gesunde Lebensjahre – unabhängig vom aktuellen Fitnesslevel oder Bildungsabschluss. Auch mit 50 oder 60 lohnt der Einstieg; besser spät als nie.

    Fazit: Gesunde Jahre statt Hype

    Die DAK-Forsa-Zahlen und die Debatte beim Longevity Forum Deutschland machen Mut: Die Mehrheit will mehr gesunde Lebensjahre – und weiß grob, worauf es ankommt. Die Lücke liegt weniger im Wissen als in Zeit, Motivation und Orientierung. Genau dort helfen einfache Routinen, vertrauenswürdige Ansprechpartner und die Präventionsangebote der gesetzlichen Krankenkassen.

    Longevity braucht keinen Influencer und kein Luxuslabor. Es braucht Bewegung, Schlaf, soziale Kontakte, gute Infos – und den Mut, klein anzufangen.


    Quellen