Ein Brief, ein Urintest zu Hause, bei Bedarf ein Termin in der Hausarztpraxis. Mehr steckt nicht dahinter.
Ein Brief von der Krankenkasse, in dem es um die Nieren geht: Wer so etwas bekommt, stutzt vielleicht erst einmal. Habe ich etwas? Woher weiß die Kasse das? Die kurze Antwort lautet: Nein, eine Diagnose steckt nicht dahinter. Es ist eine Einladung zu einem einfachen Test, den du zu Hause machen kannst. Drei Betriebskrankenkassen haben dafür ein gemeinsames Projekt gestartet. Wir erklären, wie es abläuft.
In 30 Sekunden
Die BAHN-BKK, die novitas bkk und die SBK laden im Projekt „Mein Nierenkompass“ Versicherte mit erhöhtem Risiko für eine chronische Nierenkrankheit zu einem Urintest zu Hause ein. Die Teilnahme ist freiwillig. Ist der Wert auffällig, folgt die Abklärung in der Hausarztpraxis. Bestätigt sich der Verdacht, begleitet die Kasse bis zu ein Jahr lang. Wer nicht möchte, dass die Kasse seine Daten dafür auswertet, kann widersprechen.
Warum gerade die Nieren?
Eine chronische Nierenkrankheit entwickelt sich oft über lange Zeit, ohne dass man etwas merkt. Schmerzen oder deutliche Beschwerden treten häufig erst auf, wenn die Nieren schon stark geschädigt sind. Gleichzeitig gibt es heute laut dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein „sehr wirksame Maßnahmen und Medikamente“, um das Fortschreiten bis zum Nierenversagen zu bremsen. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto mehr lässt sich also tun. Genau da setzt das Projekt an.
So läuft der Nierenkompass ab
Gestartet ist das Pilotprojekt Anfang September. Beteiligt sind neben den drei Kassen der BKK Dachverband, das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, die Charité und der Nierenspezialist Prof. Thorsten Feldkamp.
Am Anfang steht ein Brief. Darin lädt die Kasse zu einem Heimtest ein, der sich per QR-Code bestellen lässt. Gemessen wird ein Wert im Urin, der Hinweise auf eine Nierenschädigung geben kann. Der Test entspricht den ärztlichen Leitlinien.
Fällt das Ergebnis auffällig aus, geht es in die Hausarztpraxis. Dort wird genauer untersucht, ob tatsächlich eine Nierenkrankheit vorliegt. Bestätigt sich das, bietet die Kasse bis zu ein Jahr lang eine intensive Begleitung an, etwa mit Unterstützung bei Ernährung und Bewegung und mit Hinweisen auf passende Versorgungsangebote. Ist der Test unauffällig, bekommst du nach einem Jahr das Angebot, ihn zu wiederholen.
Wie die Kasse auswählt, wer einen Brief bekommt
Angeschrieben werden nicht alle Versicherten, sondern Menschen, bei denen die Daten auf ein erhöhtes Risiko hindeuten. Dafür nutzen die Kassen ein Prognosemodell, das sie gemeinsam mit dem Dienstleister GWQ ServicePlus entwickelt haben. Grundlage sind Routinedaten, die bei der Kasse zusammenlaufen.
Der Unterschied ist deutlich. Ohne das Modell hätte nach Angaben der Kassen nur etwa jeder 65. Angeschriebene ein positives Testergebnis. Mit dem Modell ist es ungefähr jeder Fünfte. Das heißt auch: Die meisten, die einen Brief bekommen, haben am Ende einen unauffälligen Wert. Ein Brief allein ist deshalb kein Grund zur Sorge. Begleitet wird das Projekt wissenschaftlich, die Ergebnisse sollen ausgewertet werden.
Darf die Kasse das überhaupt?
Ja. Seit einer Gesetzesänderung dürfen Krankenkassen ihre Daten nutzen, um Versicherte gezielt auf mögliche Gesundheitsrisiken und passende Angebote hinzuweisen. Geregelt ist das in § 25b SGB V. Wer das nicht möchte, kann der Auswertung widersprechen. Wie das geht und was dabei gilt, erklären wir in unserer FAQ zur Datenauswertung durch die KrankenkasseDatenauswertung durch die KrankenkasseKassen dürfen Abrechnungsdaten nach Risiken wie Impflücken oder Wechselwirkungen auswerten und dich anschreiben. Widerspruch formlos möglich, für Kinder durch die Eltern..
Für dich heißt das: Die Teilnahme am Test ist freiwillig, niemand muss mitmachen. Die Auswertung deiner Daten läuft dagegen, solange du nicht widersprichst. Wie der Widerspruch geht, erklärt die oben verlinkte FAQ. Wer einen Brief bekommt und unsicher ist, kann mit dem kurzen Test in Ruhe klären, ob alles in Ordnung ist.
Für wen das interessant ist
Angeschrieben werden vor allem Menschen, bei denen das Risiko höher liegt. Welche Merkmale das Modell genau berücksichtigt, haben die Kassen nicht im Einzelnen veröffentlicht. Wer unsicher ist, ob er zu einer Risikogruppe gehört, kann das bei der nächsten Gelegenheit mit der Hausärztin besprechen.
Und manchmal öffnen nicht die Versicherten selbst die Post, sondern ihre Kinder. Wer für die Eltern den Briefkasten leert, kann ihnen helfen, den Test zu bestellen, und sie zum Termin in der Hausarztpraxis begleiten, falls der Wert auffällig ist.
Was du tun kannst
- Den Brief in Ruhe lesen. Er ist eine Einladung, keine Diagnose.
- Den Test bestellen, wenn du teilnehmen möchtest. Das geht per QR-Code direkt aus dem Schreiben.
- Ein auffälliges Ergebnis abklären lassen. Der nächste Schritt ist immer die Hausarztpraxis, nicht das Internet.
- Selbst entscheiden. Wer keine Datenauswertung durch die Kasse möchte, kann widersprechen. Wer mitmacht, kann das Begleitangebot nutzen.
Weitere Vorsorgeangebote der Kassen findest du in unseren FAQ zu Prävention und KassenleistungenPrävention und Longevity über die KasseWie du über Prävention und Kassenangebote mehr gesunde Jahre herausholst – ohne Longevity-Hype..


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