Rund 2,5 Millionen Frauen bekommen einen neuen Anspruch. Jetzt tun müssen sie noch nichts.
Der Oktober ist Brustkrebsmonat, und in diesem Jahr gibt es dazu eine Nachricht, die viele Frauen direkt betrifft. Das Mammographie-Screening, also die regelmäßige Röntgenuntersuchung der Brust zur Früherkennung, wird für jüngere Frauen geöffnet. Bisher galt es ab 50, künftig soll es schon ab 45 losgehen. Was der Beschluss bedeutet, wann es konkret wird und was du bis dahin beachten solltest, liest du hier.
In 30 Sekunden
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am 15. Oktober beschlossen, das Mammographie-Screening auf Frauen ab 45 auszuweiten. Rund 2,5 Millionen Frauen zwischen 45 und 49 bekommen damit einen neuen Anspruch. Selbst anmelden können sie sich voraussichtlich ab dem 1. August 2027, persönliche Einladungen kommen voraussichtlich ab Januar 2028. Bis dahin musst du nichts tun. Wer Beschwerden hat, wartet aber nicht auf das Screening.
Was der Beschluss genau bedeutet
Der Gemeinsame Bundesausschuss, kurz G-BA, legt fest, welche Leistungen die gesetzlichen Kassen bezahlen. Bisher haben Frauen zwischen 50 und 75 alle zwei Jahre Anspruch auf eine Mammographie im Screening-Programm. Laut G-BA sind das rund 14,5 Millionen Frauen. Nun hat das Gremium die untere Altersgrenze auf 45 Jahre gesenkt.
Den Weg dafür hatte eine geänderte Strahlenschutz-Verordnung frei gemacht, die im März 2026 in Kraft getreten ist. Auch die europäische Leitlinie zu Brustkrebs empfiehlt, Frauen ab 45 in die Früherkennung einzubeziehen. Der Beschluss muss noch vom Bundesgesundheitsministerium geprüft werden. Beanstandet es ihn nicht, soll er am 1. August 2027 in Kraft treten.
Warum es nicht sofort losgeht
Bis zum geplanten Start am 1. August 2027 vergehen gut neun Monate, die Einladungen sollen voraussichtlich ab 2028 kommen. Der Grund ist praktisch: Die Screening-Einheiten brauchen mehr Termine, mehr Personal und angepasste Abläufe, um auf einen Schlag mehrere Millionen zusätzliche Frauen versorgen zu können. Deshalb ist ein Übergang vorgesehen.
Zuerst können sich Frauen zwischen 45 und 49 voraussichtlich ab August 2027 selbst anmelden. Das läuft über die Zentralen Stellen des Screening-Programms in den Bundesländern. Die automatischen Einladungen, wie sie Frauen ab 50 heute schon per Post bekommen, sollen voraussichtlich ab Januar 2028 folgen.
Und was ist mit der Finanzierung?
In den vergangenen Tagen ist eine Debatte dazu aufgekommen, wie Früherkennung künftig bezahlt wird. Hintergrund ist das Spargesetz für die Krankenkassen: Leistungen, die bisher außerhalb des Praxisbudgets vergütet wurden, sollen ab 2027 grundsätzlich budgetiert werden. Wie das bei der Früherkennung aussieht, verhandeln Kassenärztliche Bundesvereinigung und GKV-Spitzenverband am 18. November, berichtet das Deutsche Ärzteblatt.
Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis sagte dazu, die Ausweitung dürfe „nicht durch die Finanzierung konterkariert“ werden. Wichtig für dich: Beschlossen ist bisher keine Kürzung. Es geht um die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte bezahlt werden, nicht darum, ob du die Untersuchung bekommst.
Screening ist nicht dasselbe wie eine Untersuchung bei Beschwerden
Das Screening ist für Frauen gedacht, die keine Symptome haben. Es soll Brustkrebs finden, bevor er Beschwerden macht. Wer dagegen einen Knoten tastet, eine Veränderung an der Haut oder der Brustwarze bemerkt oder Schmerzen hat, sollte nicht auf eine Einladung warten. Dann ist der richtige Weg die Frauenarztpraxis, und zwar zeitnah und unabhängig vom Alter.
Ob das Screening für dich persönlich sinnvoll ist, kannst du ebenfalls in der Frauenarztpraxis besprechen. Wie jede Früherkennung hat auch die Mammographie Vor- und Nachteile, über die du dich in Ruhe informieren solltest, bevor du hingehst. Mit der Einladung verschickt das Programm dafür eine eigene Versicherteninformation.
Wen das betrifft
Am direktesten betrifft der Beschluss Frauen, die zwischen 45 und 49 sind oder in den nächsten Jahren 45 werden, also viele, die mitten im Berufsleben stehen oder Kinder im Schulalter haben. Für sie lohnt es sich, den August 2027 im Hinterkopf zu behalten.
Aber auch Töchter können etwas tun: Wer eine Mutter zwischen 50 und 75 hat, kann sie daran erinnern, die Einladung zum Screening nicht im Papierstapel verschwinden zu lassen. Für diese Altersgruppe ändert sich durch den Beschluss nichts, das Angebot gilt weiter.
Was du tun kannst
- Jetzt nichts überstürzen. Der neue Anspruch beginnt voraussichtlich im August 2027. Bis dahin gibt es kein Screening-Angebot für Frauen unter 50.
- Bei Auffälligkeiten sofort handeln. Ein Tastbefund oder andere Veränderungen gehören in die Frauenarztpraxis, egal wie alt du bist.
- Den Termin vormerken. Wer zwischen 45 und 49 ist, kann sich ab dem Start voraussichtlich selbst bei der Zentralen Stelle anmelden.
- Sich vorher informieren. Lies die Versicherteninformation zum Screening und sprich offene Fragen in der Praxis an.
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