Grippeimpfung: Mehr Ältere lassen sich impfen — die Apotheke um die Ecke nutzt kaum jemand

Älterer Mann mit hochgekrempeltem Ärmel wartet entspannt im Beratungsraum einer Apotheke

Der Schutz ist kostenlos. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt.

Grippeimpfung ab 60: Die Quote steigt erstmals seit fünf Jahren, die Apotheke nutzt kaum jemand. Wer den Piks gratis bekommt und wann er sinnvoll ist.

Zum ersten Mal seit fünf Jahren lassen sich wieder mehr ältere Menschen gegen Grippe impfen. Das zeigt eine Auswertung der Techniker Krankenkasse vom 2. Oktober 2026: Rund 40 Prozent der TK-Versicherten ab 60 haben sich im Winter 2025/26 impfen lassen. Das ist ein Fortschritt, aber noch weit weg vom Ziel. Und ein Angebot, das seit 2022 vieles einfacher machen könnte, spielt bisher kaum eine Rolle: die Grippeimpfung in der Apotheke. Wenn du zu einer der Gruppen gehörst, für die die Impfung empfohlen ist, ist jetzt genau der richtige Moment, dich darum zu kümmern.

In 30 Sekunden

Die TK hat Daten ihrer Versicherten von September 2025 bis März 2026 ausgewertet. Vier von zehn Versicherten ab 60 waren gegen Grippe geimpft, in Sachsen-Anhalt mehr als jede und jeder Zweite, in Baden-Württemberg nur jede vierte Person. In Apotheken ließen sich rund 60.000 TK-Versicherte impfen, bei den Über-60-Jährigen war es aber weniger als ein Prozent. Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät, sich zwischen Oktober und Mitte Dezember impfen zu lassen. Für die empfohlenen Gruppen ist die Impfung Kassenleistung.

Was die neuen Zahlen zeigen

Nach Jahren ohne Anstieg ist das Plus eine gute Nachricht. TK-Chef Jens Baas nennt die steigende Bereitschaft „natürlich erfreulich“, schiebt aber gleich hinterher: Von der EU-Zielquote von 75 Prozent sei man „noch weit entfernt“. Auf diesen Wert haben sich die Weltgesundheitsorganisation und die Europäische Kommission für die Risikogruppen verständigt. Zwischen 40 und 75 Prozent liegen sehr viele Menschen, die in einen Grippewinter ohne Impfschutz gehen.

Auffällig ist das Gefälle quer durchs Land. Wie schon in den Vorjahren lassen sich Ältere im Osten deutlich häufiger impfen als im Süden und Südwesten. Sachsen-Anhalt kommt auf 54 Prozent, Sachsen auf 50 Prozent, Baden-Württemberg auf 25 Prozent, also nur halb so viel. Woran das im Einzelnen liegt, schlüsselt die Auswertung nicht auf. Für dich zählt etwas anderes: Wenn du in einer Region lebst, in der das Impfen weniger üblich ist, erinnert dich womöglich niemand daran. Dann lohnt es sich umso mehr, selbst aktiv zu werden.

Für wen die Impfung empfohlen ist

Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem für Menschen ab 60 Jahren, für Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, für Menschen mit gesundheitlicher Gefährdung, etwa durch eine chronische Erkrankung, für Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie für medizinisches Personal. Gehörst du dazu, übernimmt deine Krankenkasse die Kosten. Was das konkret für deinen Alltag heißt, hängt von deiner Lebenssituation ab.

Bist du im Ruhestand und ohnehin regelmäßig in der Hausarztpraxis, lässt sich die Impfung oft einfach an einen Routinetermin anhängen. Frag beim nächsten Blutdruck-Check oder Rezept einfach mit. Bist du schwanger und im zweiten oder dritten Drittel, sprich deine Frauenarztpraxis darauf an. Dort weiß man, was in deiner Schwangerschaft sinnvoll ist. Lebst du mit einer chronischen Erkrankung, kann eine Grippe dich härter treffen als andere. Ob du zur Risikogruppe zählst, klärt deine Praxis in wenigen Minuten.

Hast du einen Elternteil im Pflegeheim, lohnt sich eine kurze Nachfrage bei der Einrichtung, ob und wann dort geimpft wird. Und wenn du jemanden zu Hause pflegst, sprich mit deiner Hausarztpraxis darüber, ob die Impfung auch für dich sinnvoll ist. Schließlich hast du engen Kontakt zu einem Menschen, für den eine Grippe gefährlich werden kann.

Die Apotheke: praktisch, aber noch die Ausnahme

Seit 2022 dürfen Apotheken gegen Grippe impfen. Das klingt nach einer bequemen Lösung, denn viele Ältere holen dort ohnehin regelmäßig ihre Medikamente. In der Praxis hat sich das noch nicht durchgesetzt. Laut TK bietet bundesweit nur etwa jede achte Apotheke die Impfung an. Die Apotheke um die Ecke kann also, muss aber nicht.

Genau hier liegt der Grund, warum es sich lohnt, kurz vorher zu fragen. Rufst du an oder schaust auf die Website deiner Stammapotheke, weißt du in einer Minute, ob sie impft und ob du einen Termin brauchst. Für alle, denen der Weg zur Hausarztpraxis schwerfällt oder die dort lange auf einen Termin warten, kann das eine echte Erleichterung sein. Gehörst du zu den empfohlenen Gruppen, bekommst du die Impfung auch in einer teilnehmenden Apotheke kostenlos.

Wie du Vorsorgeangebote deiner Kasse insgesamt gut nutzt, von Kursen bis Bonusprogramm, beantworten wir in unserer FAQ zu . Weitere Fragen rund um Kasse und Versorgung findest du in unserem .

Was du tun kannst

  1. Impfpass heraussuchen. Schau nach, wann du zuletzt gegen Grippe geimpft wurdest. Der Impfstoff wird jedes Jahr angepasst, deshalb gilt die Empfehlung für jede Saison neu.
  2. Einen festen Termin setzen. Trag dir einen Tag im Oktober oder November in den Kalender ein, statt auf den nächsten zufälligen Praxisbesuch zu warten.
  3. Bei der Apotheke vorher nachfragen. Ruf kurz an, ob sie impft, und nimm Impfpass und Gesundheitskarte mit.
  4. Für Angehörige mitdenken. Frag im Pflegeheim nach dem Impftermin oder erinnere Eltern und Großeltern, die zu Hause leben, an ihren Termin.

Ein kleiner Piks, einmal im Jahr, kostenlos für alle, denen die STIKO ihn empfiehlt. Dass wieder mehr Ältere mitmachen, ist ein gutes Zeichen. Mach den Schritt mit, egal ob in der Hausarztpraxis oder in einer der Apotheken, die impfen.

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