Durchatmen lernen. Die Kasse beteiligt sich.
Der Laptop ist zu, aber der Kopf läuft weiter. Die Mails von morgen, der Elternabend, der Anruf bei der Mutter, der noch aussteht. Viele kennen diese Abende, an denen Abschalten einfach nicht gelingt. Wenn das zum Dauerzustand wird, lohnt sich mehr als ein guter Vorsatz. Zur Woche der seelischen Gesundheit, die am 10. Oktober begonnen hat, erinnern die gesetzlichen Krankenkassen gemeinsam daran, dass sie Kurse gegen Stress mitfinanzieren. Das Angebot ist größer, als viele denken.
In 30 Sekunden
Bundesweit gibt es im Bereich Stress- und Ressourcenmanagement fast 50.000 Präsenzkurse und rund 2.500 Onlineangebote, etwa Autogenes Training, Hatha-Yoga oder Tai-Chi. Wenn ein Kurs von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert ist, übernimmt deine Krankenkasse einen Teil der Kosten. Wie viel das ist und wie oft du einen Kurs bezuschusst bekommst, regelt jede Kasse selbst. Ein Blick auf die Website deiner Kasse vor der Anmeldung spart Ärger.
Was die Kassen anbieten
Die Verbände der Krankenkassen, darunter der BKK Dachverband, der AOK-Bundesverband, der Verband der Ersatzkassen, die Innungskrankenkassen, die Knappschaft und die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau, haben ihre Präventionskurse in einer gemeinsamen Mitteilung vorgestellt. Insgesamt stehen mehr als 120.000 zertifizierte Kurse zur Verfügung. Neben Stress geht es dabei um Bewegung, Ernährung und den Umgang mit Suchtmitteln.
Die Kurse sollen helfen, Stress früh zu bemerken und die eigene psychische Widerstandskraft zu stärken. „Auf Dauer kann Stress die psychische und körperliche Gesundheit beeinträchtigen, etwa durch Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder körperliche Verspannungen“, sagt Melanie Dold, die beim Verband der Ersatzkassen die Zertifizierung von Präventionskursen leitet. Es sei wichtig, Belastungen „frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern“.
Warum das Siegel wichtig ist
Nicht jeder Yogakurs im Viertel wird von der Kasse bezuschusst. Entscheidend ist die Zertifizierung durch die Zentrale Prüfstelle Prävention. Sie prüft im Auftrag aller Kassen, ob Kurs und Kursleitung die Qualitätsanforderungen des sogenannten Leitfadens Prävention erfüllen. Das schützt dich vor Angeboten, die viel versprechen und wenig halten. Und es ist die Voraussetzung dafür, dass du Geld zurückbekommst.
Praktisch heißt das: Erst den Kurs prüfen, dann buchen. Fast alle Kassen haben auf ihrer Website eine Kurssuche, in der nur zertifizierte Angebote auftauchen. Dort siehst du auch, welche Kurse in deiner Nähe oder online laufen.
Für wen sich ein Kurs besonders lohnt
Wenn du berufstätig bist und merkst, dass du nach Feierabend nicht mehr herunterkommst, kann ein Kurs in Entspannungstechniken ein guter Einstieg sein. Viele Angebote laufen abends oder am Wochenende, Onlinekurse lassen sich auch nach dem Zubettbringen der Kinder einschieben.
Eltern kleiner Kinder und pflegende Angehörige stehen oft unter einer Dauerbelastung, die sich kaum abstellen lässt. Gerade hier hilft es, eine Technik zu lernen, die auch in zehn Minuten Ruhe funktioniert. Wer gerade ins Berufsleben startet oder studiert, kann mit einem Kurs früh Routinen aufbauen, bevor sich Stress festsetzt.
Wichtig ist eine Abgrenzung: Ein Präventionskurs ersetzt keine Behandlung. Wenn du seit Wochen schlecht schläfst, dich antriebslos fühlst oder kaum noch Freude empfindest, sprich mit deiner Hausarztpraxis. Sie kann einschätzen, ob mehr dahintersteckt, und dich weitervermitteln. In akuten Krisen ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 rund um die Uhr erreichbar.
So kommst du an dein Geld
Der übliche Weg ist einfach. Du meldest dich für einen zertifizierten Kurs an und zahlst die Kursgebühr zunächst selbst. Nach dem Kurs reichst du die Teilnahmebestätigung und die Rechnung bei deiner Kasse ein, meist geht das inzwischen per App. Viele Kassen zahlen nur, wenn du regelmäßig teilgenommen hast. Wie hoch der Zuschuss ist und wie viele Kurse im Jahr gefördert werden, legt jede Kasse selbst fest. Manche rechnen den Kurs zusätzlich im Bonusprogramm an.
Wie du die Vorsorgeangebote deiner Kasse insgesamt gut nutzt, von Kursen über Check-ups bis zum Bonusprogramm, beantworten wir in unserer FAQ zu Prävention und LongevityPrävention und Longevity über die KasseWie du über Prävention und Kassenangebote mehr gesunde Jahre herausholst – ohne Longevity-Hype..
Was du tun kannst
- Die Kurssuche deiner Kasse öffnen. Filter nach Stress- und Ressourcenmanagement und nach Kursen in deiner Nähe oder online.
- Die Förderbedingungen lesen. Prüfe, wie viel deine Kasse zahlt, wie oft im Jahr und welche Nachweise sie braucht.
- Eine Technik wählen, die zu deinem Alltag passt. Autogenes Training lässt sich überall üben, Yoga oder Tai-Chi verbinden Bewegung und Ruhe.
- Die Bestätigung aufheben. Teilnahmebescheinigung und Rechnung brauchst du für die Erstattung, im Zweifel auch fürs Bonusprogramm.
Stress lässt sich nicht abschaffen, aber man kann lernen, besser mit ihm umzugehen. Die Woche der seelischen Gesundheit ist ein guter Anlass, damit anzufangen, und deine Kasse beteiligt sich an den Kosten.


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