Pflegekommission soll Mittwoch starten: Deckel für Heimkosten oder private Zusatzvorsorge?

Seniorin und ihr erwachsener Sohn sitzen nachdenklich am Küchentisch über einem Ordner, daneben Teetassen

Verfasst von

Zwei Modelle, zwei Antworten auf dieselbe Frage: Wer zahlt die Pflege?

Pflegereform: Die Kommission soll Mittwoch starten. Zur Wahl stehen ein Heimkosten-Deckel oder eine Pflicht-Zusatzversicherung. Was beides für dich hieße.

Nach der Vertagung in der vergangenen Woche gibt es einen neuen Termin. Die Expertenkommission zur Pflegereform soll an diesem Mittwoch eingesetzt werden, sagte Unionsfraktionschef Thorsten Frei im ZDF. Laut Koalitionskreisen sollen acht bis zwölf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darin beraten, wie die soziale Pflegeversicherung zukunftsfest werden kann. Ihre Vorschläge sollen bis Ende Januar 2027 vorliegen. Wie die Lösung aussehen könnte, darüber wird in der Gesundheitsökonomie schon lange gestritten. Zwei Modelle stehen im Mittelpunkt, und sie würden Familien sehr unterschiedlich treffen.

In 30 Sekunden

Für Pflegebedürftige im Heim ändert sich vorerst nichts. Diskutiert werden vor allem zwei Wege. Das Modell des Bremer Ökonomen Heinz Rothgang würde die pflegebedingten Eigenanteile auf 700 Euro im Monat deckeln und die Gesamtbelastung auf 25.200 Euro begrenzen. Das Modell des Essener Ökonomen Jürgen Wasem setzt auf eine verpflichtende private Pflegezusatzversicherung, die Arbeitgeber zur Hälfte mitbezahlen. Welcher Weg in den Auftrag der Kommission kommt, ist zwischen Union und SPD weiter strittig.

Worum es geht

Ein Heimplatz kostet Bewohnerinnen und Bewohner im ersten Jahr laut Verband der Ersatzkassen im Schnitt knapp 3.400 Euro im Monat aus eigener Tasche. Davon entfallen 1.775 Euro auf die Pflege selbst, der Rest auf Unterkunft, Verpflegung und Investitionskosten. In den Folgejahren sinkt der Eigenanteil schrittweise, weil die Zuschläge der Pflegekasse steigen.

Gleichzeitig steht die Pflegeversicherung unter Druck. Auch nach dem kleinen Sparpaket, das das Kabinett beschlossen hat, bleibt laut Regierungsentwurf 2027 eine Finanzierungslücke von 1,35 Milliarden Euro. Und die Zahl der Pflegebedürftigen wächst: Ende 2023 waren es laut Statistischem Bundesamt 5,7 Millionen, für 2040 rechnet die Behörde je nach Entwicklung mit sechs bis 6,8 Millionen.

Modell eins: Ein Deckel für die Eigenanteile

Heinz Rothgang von der Universität Bremen schlägt einen sogenannten Sockel-Spitzen-Tausch vor. Heute ist die Leistung der Pflegeversicherung festgelegt, und alles darüber zahlen die Bewohner. Rothgang will es umdrehen: Der pflegebedingte Eigenanteil soll auf 700 Euro im Monat gedeckelt werden, insgesamt höchstens 25.200 Euro. Nach spätestens drei Jahren müssten Pflegebedürftige für die Pflege selbst also nichts mehr zuzahlen. Auch pflegende Angehörige will er besser entschädigen.

Bezahlt werden soll das aus mehreren Quellen. Rothgang schlägt unter anderem einen Finanzausgleich zwischen privater und sozialer Pflegeversicherung vor, eine höhere Beitragsbemessungsgrenze, Beiträge auf weitere Einkommensarten wie Mieten oder Kapitalerträge und einen höheren Steuerzuschuss. Das Konzept ähnelt den Vorstellungen der SPD. Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat sich gegen einen Pflegedeckel ausgesprochen.

Modell zwei: Pflicht zur privaten Zusatzvorsorge

Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen hat im Auftrag des Verbands der Privaten Krankenversicherung einen Gegenentwurf erarbeitet. Alle Bürgerinnen und Bürger müssten eine private Pflegezusatzversicherung abschließen, um sich gegen hohe Heimkosten abzusichern. Die Versicherer müssten jeden aufnehmen, die Arbeitgeber die Hälfte der Kosten tragen.

Die Versicherung würde mit Kapitaldeckung arbeiten, also Geld für später ansparen. Für junge Menschen wäre das vergleichsweise günstig. Ältere müssten mehr zahlen, weil ihnen weniger Zeit bleibt, ein Polster aufzubauen. In der Union gibt es Sympathien für diesen Ansatz.

Was das für dich bedeutet

Bist du selbst pflegebedürftig oder lebt ein Elternteil im Heim, gilt bis auf Weiteres die heutige Rechnung. Keines der Modelle ist beschlossen, und die Kommission legt erst Vorschläge vor. Bis daraus ein Gesetz wird, vergeht weitere Zeit. Was bis dahin für Angehörige gilt, fasst unsere FAQ zusammen.

Als erwachsenes Kind eines Pflegebedürftigen hättest du beim Deckel-Modell eine verlässliche Obergrenze für die Pflegekosten. Beim Vorsorge-Modell wäre die Frage eher, was du für dich selbst zurücklegen musst. Für Berufstätige unter 40 könnte die Zusatzversicherung zu einem neuen festen Posten auf der Gehaltsabrechnung werden, beim Deckel-Modell eher höhere Beiträge oder Steuern. Wie der Bund die Pflegeversicherung heute mitfinanziert, erklärt unsere FAQ .

Was du tun kannst

  1. Den Mittwoch abwarten. Erst mit der Einsetzung wird klar, wer in der Kommission sitzt und ob ein Pflegedeckel überhaupt geprüft werden soll.
  2. Mit den heutigen Kosten planen. Rechne für die nächsten Monate mit dem Eigenanteil, der aktuell auf der Heimrechnung steht.
  3. Unterstützung nicht aufschieben. Reicht das Geld schon heute nicht, sprich mit der Pflegeberatung deiner Pflegekasse über Hilfe zur Pflege beim Sozialamt.
  4. In der Familie offen reden. Wer welche Kosten trägt und wie ihr vorsorgen wollt, lässt sich leichter klären, bevor es drängt.

Die Kommission soll in gut dreieinhalb Monaten liefern. Ob am Ende ein Deckel, eine Pflichtvorsorge oder eine Mischung steht, entscheidet darüber, wie Familien in Zukunft mit Pflegekosten rechnen.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert